Donnerstag, 16. März 2017

{Kurzrezension} Zombie Blond


 
Sie sind blond, schön – und hochgefährlich: die Mädchenclique an Hannahs neuer Schule, zu der sie unbedingt gehören möchte. Die Warnung ihres Mitschülers Lucas, die Mädchen seien Zombies, schlägt Hannah in den Wind. Das aber bereut sie bitter, als ihre Haare im Cliquen-Einheitslook blond gefärbt werden sollen - und sie die Blutkonserven entdeckt, die überall im Raum herumstehen …

Cool, kultig, gruselig.

Nachdem Hannah mit ihrem Vater in die kleine Stadt Maplecrest zieht, fällt sie schnell in den typischen Teenageralltag: Cliquen, merkwürdige Lehrer und Schwärmereien. Da sie jedoch „die Neue“ ist, findet sie kaum Anschluss. Lediglich Lukas versucht ihr Freund zu werden. Dem ist sie jedoch nicht besonders angetan, da er ihr dauerhaft weiß machen will, die beliebtesten Mädchen, die Cheerleader der Schule, seien Zombies.– Und zu genau denen will sie gehören, auch, wenn sie sie anfangs mobben und kein nettes Wort für sie übrig haben.

Hannah hat einen eigenen Kopf. Sie gibt sich keine Mühe, besonders sympathisch zu wirken, ist mürrisch und trotzig, wirkt allerdings leicht beeinflussbar und ist trotz ihrer Eigenarten eine Figur, mit der sich sicherlich viele junge Leserinnen identifizieren können. Und dass sie eben eine so launische Person ist, liegt vor allem daran, dass ihr Vater sie immer und immer wieder zu Umzügen zwingt, da er stark verschuldet ist.
Mit ihr und ihren Emotionen ist es ein heiß und kalt, ein auf und ab. Anders sieht es dabei auch nicht mit den „Zombies“ aus. Mit der Zeit werden ihre Aktionen gegen Hannah immer krasser, einige von ihnen wollen sie aber auch unbedingt im Team haben.
Die Handlung in „Zombie Blond“ ist nicht besonders tiefgreifend, die Stimmung hingegen sehr intensiv und steigert sich sogar, als Hannah immer mehr zur Marionette der blonden, perfekten Cheerleader wird. 
Alles in allem liegt in diesem Buch der Fokus auf typischen Teenagerproblemen und darauf, wie verzweifelt Hannah dazugehören will. Die Handlung läppert sich zusammen und auch, wenn es zum Ende hin tatsächlich ein blutiges und schauriges Finale gibt, ist es zusammengefasst eher so la-la.

Zumindest eine unumstößliche Regel gibt es für das Weglaufen vor seinen Problemen: Sie sagt, dass sich alles wiederholen wird, wie Jahreszeiten oder Sonnenuntergänge [...].
Seite 8

Da ist nichts, was zurückstarrt, außer dem Mond und den Sternen.
Nichts ist da draußen, außer den Kreaturen in meiner Fantasie.
Seite 133

Nette Unterhaltung mit einem ganz interessantem Plot, jedoch kein weltbewegendes Buch, das seinem Leser wirklich etwas gibt.

4/7

Offenbar gibt es dieses Buch nicht mehr normal im Handel zu kaufen, sondern nur gebraucht zum kleinen Preis.
 ISBN: 978-3-570-30583-6












Dienstag, 14. März 2017

Papierverzierer Lesechallenge - Gewinnspiel


Wir haben um den heißen Brei geredet, waren geheimnistuerisch und haben euch langsam und Schritt für Schritt offenbart, dass wir Überraschungen für Euch haben. Und mittlerweile ist es wohl ein offenes Geheimnis: es werden im Laufe der Challenge diverse Gewinnspiele laufen, die NUR für Euch, die Teilnehmer der Challenge, sind. Diese könnten mal so aussehen, dass es pro gelesenes Buch ein Los gibt oder pro gelesenes Papiervzierer Buch ein Los im Lostopf landet. Oder mal qualifizieren sich alle Teilnehmer mit mindestens drei Rezensionen für ein Buch, mal müssen es mindestens 7 sein. Die Bedingungen zur Teilnahme sind jedes Mal neu und werden von uns vorher im Team bestimmt. 
Aber da die Challenge ja gerade erst anfängt, ist die Voraussetzung um bei dieser ersten Verlosung in den Lostopf zu hüpfen, mindestens eine eingereichte Rezension mit Abdruck im ersten Update-Post. 
Aus diesem Grund ist es wichtig, dass ihr Eure Einreichungen immer aktuell haltet. Denn nur, wer seine Bücher einträgt, qualifiziert sich für die Gewinnspiele. Diese Gewinnspiele werden unregelmäßig und ohne vorherige Ankündigung stattfinden. Folgt also am besten Annabels und meinem Blog. Zusätzlich machen wir immer noch mal auf Facebook auf so etwas aufmerksam. Aber nun kommt der wohl interessante Teil: 

Was gibt es zu gewinnen und wer kann mitmachen? 
Gleich zum Start können zwei Teilnehmer etwas gewinnen! Nämlich einmal „Revolver Tarot“ im Taschenbuchformat und einmal als e-Book.

Nevada, 1869: Am Rand der gnadenlosen Vierzigmeilenwüste liegt Golgotha, eine kleine Stadt, in der hinter verschlossenen Türen große Geheimnisse verborgen liegen. Der Sheriff trägt die Narben des Stricks am Hals und manche sagen, er sei ein toter Mann, dessen Zeit noch nicht gekommen ist. Golgotha ist der Ort, an dem sich die Gesegneten und die Verdammten sammeln. Schwärze flutet über die Welt und wenn der Sheriff und seine Leute sie nicht aufhalten, hat Golgotha seinen letzten Sonnenaufgang gesehen … und mit ihr die gesamte Schöpfung.
Ein außergewöhnliches Abenteuer zwischen Western, Steampunk und Fantasy, das die Leben verschiedenster Persönlichkeiten auf einen gemeinsamen Kampf zuführt, dessen Wurzeln viel tiefer liegen, als sie sich vorstellen können.

Alle, die ihren Namen in der folgenden Liste stehen sehen, haben sich für die Teilnahme qualifiziert. Wie geht es nun weiter? 
Wenn ihr am Gewinnspiel teilnehmen wollt, hinterlasst einfach unter diesem Post einen Kommentar. Wenn ihr teilnehmen könntet, Euch das Buch aber nicht interessiert oder ihr es schon habt, dann tut uns das furchtbar leid, aber ihr müsst dann bis zum nächsten Gewinnspiel warten und die Daumen drücken, dass ihr die Voraussetzungen erfüllt. 

Teilnahmeberechtigte:
 Annalena 
Annette
Anni-chan
Anja
Isbel 
Jasmin 
Kerstin 
Klaudia
 Nathalie
Sofia
   Sandy
Valerie 
Vorleser
Zsadista

Der formelle Kram: Teilnehmen können nur die, die oben in der Grafik vermerkt sind. Das Gewinnspiel geht eine Woche und endet am 21. März. Gewinner müssen sich bitte innerhalb einer Woche bei mir (sophieslittlebookcorner@gmx.de) mit Wunschformat und Email-Adresse melden. Die eBooks werden erst NACH der Buchmesse verschickt. 

- Das Gewinnspiel läuft eine Woche, also bis zum 21.März. Danach haben die Gewinner 5 Tage Zeit, sich zu melden.
- Wir übernehmen keine Haftung, sollte der Gewinn auf dem Postweg verloren gehen.
- Der Gewinn ist nicht bar auszahlbar.


Und für alle die, die erst jetzt auf unsere Papierverzierer Challenge aufmerksam geworden sind: Wir freuen uns jederzeit über neue Teilnehmer! Schaut doch einfach mal bei meinem Anmeldepost oder dem von Sophie vorbei.



Dienstag, 7. März 2017

{eAf} Ann-Kathrin Karschnick | Bloopers & Outtakes

Schande über mich.– Es ist ja doch schon wieder ein Monat seit meinem letzten Post ins Land gezogen! Aber wenn man viel um die Ohren hat...
Dafür habe ich jetzt etwas für euch, bei dem ihr hoffentlich genauso viel lachen werdet, wie ich es getan habe. ;)



Jeder kennt die Outtakes am Ende von Jacky Chan Filmen. Witzige Szenen, die so nie hätten passieren sollen. Eine Leiter, die nicht so fällt, wie sie sollte. Worte, die er so nie sagen wollte. Ein misslungener Stunt. Und alle lachen.
Doch gibt es das auch bei Büchern? 

Mein Name ist Ann-Kathrin Karschnick und ich bin Autorin für Phantastik. Heute bin ich zu Gast bei Annabel auf ihrem Blog Bookdemon und darf euch sagen: Ja, klar gibt es Outtakes und witzige Randbemerkungen im Lektorat. Ich möchte euch anhand meiner Steampunk-Thriller -Reihe Rack mal ein paar Beispiele geben, was da alles zusammen kommt in sechs 120-seitigen Novellen.

Direkte Outtakes – also Szenen, die herausgenommen worden sind – habe ich diesmal leider nicht geschrieben. Aber ich habe einige Szenen von meinem Lektor im Papierverzierer Verlag kommentiert bekommen, die ich euch nicht vorenthalten möchte. ;)  Viele Sätze davon sind so leider nicht im Buch geblieben, da ich es doch abändern musste. 

Rack1:

Mein Satz:
"Rasch warf ich eine der winzigen, roten Kügelchen ein und schluckte sie trocken runter."
Kommentar des Lektors( Markiert ist das Wort Rasch): 
Tod dem Adverb

Mein Satz:
"Schließlich drehte sie sich ruckartig um."
Kommentar des Lektors:
Der Ruck ist ein neuer Freund von dir, oder? ;)

Ich muss zugeben, dass ich das Wort ruckartig in Rack doch sehr oft verwendet habe. ;) 

Mein Satz:
"Die war ja auch noch da!"
Kommentar des Lektors:
Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn! Das machst du weg! Du kannst den Leser nicht da drauf stoßen, dass du seit zwei Seiten nicht über Tante C geschrieben hast. Schreib lieber etwas Lockeres. Wie z.B.: „Die ging aber auch ab, wie eine Klette.“

Rack 2:

Mein Satz:
"Ich griff nach einem Törtchen und aß es, während Marcus antwortete."
Kommentar des Lektors:
Ein Happs und weg :D

Mein Satz:
"Es schmeckte auf meiner Zunge wie eine Mischung aus Verwestem und Nilpferdscheiße."
Kommentar des Lektors:
Ernsthaft? Du immer mit deinen Tieren.

Rack 3:

Mein Satz:
"Gut, lass uns jetzt einkaufen gehen."
Kommentar des Lektors:
Sie sagt: einkaufen
Er sagt: Dort kaufen.
Sie sagt: Nix kaufen, bei mir stapelt es sich.
Das macht keinen Sinn … ;)

Mein Satz:
"Markus hatte ihr den Stuhl hinterher oder sie gleich auf seinen Schultern getragen, damit sie die Decke reinigen konnte."
Kommentar des Lektors:
Das passt nicht zusammen. So sehen typische Heinz Erhard-Gedichte aus. ;)

Mein Satz:
"Die Kontrolle über all…"
Kommentar des Lektors:
Alligatoren ;D

Rack 4:

Mein Satz:
"Die Gefahr, meine Waffe bei einer möglichen Festnahme zu verlieren, war mir zu groß gewesen."
Kommentar des Lektors:
Pessimist!

Mein Satz:
"»Passwort?«, fragte er.
»Schwertfisch«, erwiderte ich."
Kommentar des Lektors:
Swordfish :D
Mein Kommentar: 
Zu offensichtlich oder dezent genug, um es einzumogeln? ;) 

Leider musste es dann doch rausgenommen werden. :P 



Rack 5:

Mein Satz:
"Seit zehn Minuten klopfte ich an die Tür."
Kommentar des Lektors:
Penny … Penny … Penny

Mein Satz:
"Wieso sie immer solche auffälligen Hüte trug, blieb mir ein Rätsel."
Kommentar des Lektors:
Damit sie auf Satellitenbildern nicht zu erkennen ist … ;) 

Mein Satz:
"Da uns die Ansprache des Museumsdirektors bevorstand, schlug ich mich zum Buffett durch und besorgte uns einen Teller mit verschiedenen Delikatessen."
Kommentar des Lektors:
Jeweils – wir haben doch Stil.

Rack 6:

Mein Satz:
"Es würde alles zerstören, was wir aufgebaut haben."
Kommentar des Lektors (Absoluter Star Wars-Crack):
Du würdest zerstören, wofür sie gekämpft. Ja, das würdest du. (Meister Yoda, Episode V) :D


(Quelle)
Das ist mal ein Auszug von einigen Kommentaren die ich im Lektorat „ertragen“ durfte. Ich muss sagen, ich habe mit meinem Lektor unglaubliches Glück, denn wir haben einen ähnlichen Humor. Hoffentlich hat es euch ein wenig Spaß gemacht. 

Mich würde noch interessieren, welcher Kommentar euch am besten gefallen hat. 

Liebe Grüße,
Ann-Kathrin







Na, neugierig geworden? Exklusives Bonusmaterial zu Rack findet ihr hier.


Mittwoch, 1. Februar 2017

{Rezension} Die Midkemia-Saga 2 - Der verwaiste Thron

Achtung, hierbei handelt es sich um den zweiten Band. Mögliche Spoiler für Band 1!

Krieg und Intrigen, Ehre und Tod, Liebe und Hass.

Der ehemalige Magierlehrling Pug ist als Kriegsgefangener zu der gefährlichen Arbeit in den Sümpfen Tsuranis verdammt. Doch da erkennt einer der überaus mächtigen Magier Tsuranis Pugs wahres Talent und übernimmt dessen Ausbildung. Pug ist ihm dankbar, und je mehr er über die Kultur der Tsurani lernt, desto mehr schätzt er sie. Ihm wird sogar erlaubt, die Frau, die er liebt, zu heiraten. Aber tief in seinem Herzen hat Pug nie vergessen, dass er aus Rillanon stammt – und dass die Tsurani seine Feinde sind!

Gleich zu Beginn ist mir positiv aufgefallen, dass alle offenen Probleme des ersten Bandes im zweiten wieder aufgegriffen werden und es sogar noch einmal unterschwellige Erklärungen gibt, weshalb ich keine Probleme hatte, mich wieder in die Geschichte einzufinden. Und selbst, wenn ich eine Figur bereits vergessen hatte, ergab sich ihre Rolle schnell wieder im Kontext. Trotzdem habe ich schnell gemerkt, dass „Der verwaiste Thron“ in einer ganz anderen Atmosphäre startet.- Selbstverständlich, denn die Welt ist auch eine vollkommen andere.Und selbst die Charaktere, die aus dem ersten Band geblieben sind, haben sich verändert, was in diesem Fall keineswegs etwas Schlechtes ist. Sie sind schlichtweg reifer und erwachsener geworden, teilweise jedoch auch reservierter und trockener.
Im Vergleich zu „Der Lehrling des Magiers“ gibt es in diesem Band von allem mehr: Mehr Liebe, mehr Gefühl, längere Kämpfe, ausgeweitete politische Gespräche und Handlungen und eine Menge neuer Figuren. Vor allem liegt das daran, dass der Großteil dieses Buchs in der feindlichen Welt, nämlich in der der Tsuranis, spielt. Und da der Leser auch diese Welt genauso gut wie Midkemia kennen soll, hat der Autor die meisten Kapitel ihr gewidmet. Spannend war es auf jeden Fall, eine neue Kultur zu entdecken und gleichzeitig verfolgen zu können, wie es in Midkemia weiterging. Denn während Pug durch seine Gefangenschaft in dem fremden Land sein Leben vollkommen umlenkt, bekommen die ehemaligen Nebencharaktere aus Band 1 mehr Aufmerksamkeit. Vor allem die Mitglieder der Königsfamilie und ihre Verbündeten konnte ich viel besser kennenlernen und auch zu ihnen Beziehungen aufbauen. Da dies aber nur langsam und Figur für Figur passiert ist, war es nie anstrengend, all diese neuen Verknüpfungen und Abenteuer beibehalten zu können.
Aber ich muss gestehen, dass ich streckenweise doch daran gezweifelt habe, ob mir der zweite Band der Midkemia-Saga gefallen würde. Nicht, weil er schlechter geschrieben ist, doch war die Handlung teilweise einfach nicht fesselnd. Viele Gespräche über Politik füllen die erste Hälfte und lange Zeit passiert gefühlt nichts und gleichzeitig doch eine Menge. Auch ist Pug, der Hauptcharakter aus dem ersten Band, an dem ich mir damals so einen Narren gefressen hatte, nicht mehr der Selbe.- Zumindest für sehr lange Zeit. Auch habe ich mich mit dem ersten Viertel des Buches schwergetan, weil einfach viele langatmige Vorgänge thematisiert werden und Pugs weiterer Werdegang lange Zeit nur ein tristes Hin und Her war, weshalb manchmal der Rote Faden verloren ging. Es war manchmal einfach schwer, zu differenzieren, was wichtig ist und was nicht.
Glücklicherweise hat Raymond Feist das Ruder an einem bestimmten und sehr passenden Punkt herumgerissen und die Geschichte wieder auf das Niveau des ersten Bands gebracht. Und auch der seichte Humor, den er hin und wieder gekonnt in Szene gesetzt hat, kam wieder auf. Letztendlich hat alles zu einem sehr spannenden und mehr als zufriedenstellenden Ende voller Aufregung geführt.

"[...] Manchmal wünschen wir uns die Liebe so sehr, dass wir nicht sehr wählerisch sind, wenn wir uns jemanden aussuchen. Dann wieder erklären wir die Liebe zu einer so edlen, reinen Sache, dass kein armes menschliches Wesen unseren Vorstellungen entsprechen kann."
Seite 59

"Wisst ihr, was es bedeutet, dem Tod ins Gesicht zu lachen, Arutha? Ihr werdet nie wieder derselbe sein."
Seite 194

"Diese merkwürdige Stille im Innern, was ist das?"
Das ist der nahende Tod.
Seite 321

Nach einigem Auf und Ab doch noch eine würdige Fortsetzung für "Der Lehrling des Magiers".

5/7

ISBN: 978-3-7341-6098-1


Bisher bei Blanvalet erschienen/ geplant:

   


Vielen Dank an blanvalet für das Rezensionsexemplar!

Sonntag, 29. Januar 2017

{eAf} Joachim Sohn | Wie man mit Romanfiguren zusammenlebt



Ich wurde gefragt, wie denn mein Verhältnis zu meinen Romanfiguren so sei. Ob ich eine Beziehung zu ihnen aufgebaut habe, ob ich mit ihnen spreche, mit ihnen lache oder weine und ob ich trauere, wenn eine von ihnen stirbt. Nun, diese Frage kann ich nur mit "Ja" beantworten. Und das aus gutem Grund, schließlich handelt es sich bei meinen Romanfiguren um Sunnie und Polli
Ich habe sogar ein sehr inniges Verhältnis zu den beiden Katern und das liegt daran, dass wir schon sehr lange in einem gemeinsamen Haushalt wohnen. Um genau zu sein, seit nunmehr 13 Jahren. Und das kam so:

Eines schönen Tages, vor eben 13 Jahren, standen die beiden Herren mit ihren Koffern vor meiner Haustür und eröffneten mir, dass sie von nun an hier wohnen würden, aber wenn ich wollte, könnte ich solange bleiben, bis ich was Besseres gefunden hätte. 


(c) Joachim Sohn, http://walkingmills.de/

Der kluge Leser hat längst festgestellt, dass es nicht soweit gekommen war, denn ich wohne ja noch immer hier mit ihnen zusammen. Nachdem sie mir also ihre Koffer vor die Füße geknallt hatten, machten sie es sich auf meinem roten Sofa gemütlich, schauten zu, wie ich auspackte und schmiedeten bereits Pläne, wie sie das Haus nach ihren Vorstellungen umgestalten könnten. Was soll ich sagen, wie ich sie so dasitzen sah, habe ich sie sofort in mein Herz geschlossen. Schon bald machte ich Fotos von ihnen, wie sie musizierten, einfach so dastanden, gemeinsam kochten oder wie berühmte Maler vorbeikamen, um von ihnen berühmte Gemälde anzufertigen. Es gefiel den beiden, dass ich sie porträtierte. Das mache sich gut für ihre Biografie und obendrein sparten sie Geld für den Fotografen, haben sie gesagt. Und so durfte ich noch ein bisschen bleiben. Aber ich spürte, dass ihre Geduld bald zu Ende war. Doch dann, wie das Leben so spielt, verhalf mir ein Zufall dazu, dass aus der Duldung eine dauerhafte Zweckwohngemeinschaft wurde. 
Und das kam wiederum so: Ich arbeitete zu dieser Zeit bei einem Dienstleister, der die betriebliche Altersvorsorge ehemaliger Krankenkassenmitarbeiter erstellte. Meine Aufgabe war es, die monatlichen Rentenbescheide einzutüten. Es war ein Nebenjob zwischen meinen Trickfilmjobs. Jedenfalls mussten zu Beginn des Jahres die Jahresbescheinigungen für das Vorjahr zusammengestellt werden. Jeder Monat hatte einen Stapel mit den Empfängern. Als ich sie durchging, stellte ich fest, dass der Juni fehlte. Ich wiederholte meine Suche, zählte alle Stapel immer und immer wieder durch, doch der Juni ließ sich nicht auffinden. Nachdem ich schon an nichts anderes mehr als an Sunnie und Polli denken konnte - sie hatten mir zwischenzeitlich den traurigen Grund ihres Auftauchens erzählt, aus dem später ihre spektakuläre Geschichte der Flucht von Fanfasl entstand, wo sie als Küchensklaven gehalten wurden - wusste ich, dass sie jeder Aufgabe gewachsen waren und fragte mich, ob die Suche nach Juni nicht ein Fall für die Kater sein könnte. Schließlich, so hatten sie sich mir vorgestellt, waren sie Meisterdetektive. Ich erzählte ihnen also sofort, nachdem ich für sie nach meinem Feierabend ihren Dreck weggeputzt, ihre Klos saubergemacht und für sie gekocht hatte, was mir am Tag passiert war und fragte sie, ob sie nicht herausfinden wollten, wo Juni abgeblieben sei. Doch ihre Reaktion erstaunte mich. So einen Unsinn hätten sie ja noch nie gehört, fauchten sie mich an. Aber ich blieb hartnäckig, appellierte erneut an ihre Genialität, sagte ihnen, dass es doch ihre Geschichte werden könne, es ginge um sie, ihr Leben und einfach alles. Das sei doch kein Unsinn. 
Auf keinen Fall, fauchten sie mich in der gleichen Lautstärke an wie zuvor, aber die Geschichte stünde schon fest, sie bräuchten sie mir nur noch zu erzählen und wenn ich wollte, könnte ich sie aufschreiben.

So kam es also, dass sie mir ihre Geschichte vom Land der Monate und vom Verschwinden des Juni erzählten und davon, wie sie ihn wiederfanden.
(c) Joachim Sohn, http://walkingmills.de/

Und es sollte nicht die einzige Geschichte bleiben. Wer würde es mir also verübeln, dass ich bei dieser engen Verflechtung mit den Katern und ihren aufregenden und außergewöhnlichen Erlebnissen eine Beziehung zu ihnen aufbaue, die mich an ihrer Freude und ihrem Leid teilhaben lässt. Wer kann es mir verübeln, dass ich mich von jedem ihrer Schicksalsschläge erschüttern lasse. Natürlich habe ich bei ihren Geschichten mitgelitten, wenn sie mal wieder zu Recht beschuldigt wurden, ich habe mit ihnen gelacht, wenn sie jemanden die Treppe runterschubsten und ich habe geweint, wenn ihnen jemand einen Keks vor der Nase weggeschnappte oder ähnlich bewegende Ereignisse mit ihnen geschahen. Und ja, natürlich würde ich in ein tiefes Loch fallen, wenn es einen von den beiden nicht mehr gäbe. Aber zum Glück wird das nicht passieren. Jedenfalls nicht solange ich da bin.

PS: Den Junistapel habe ich übrigens am nächsten Tag unter dem Julistapel gefunden. Aber das spielte da schon keine Rolle mehr.



 Klappentext
Die Monate sind ganz durcheinander: Juni ist verschwunden und niemand weiß, wo er ist. Höchste Zeit, dass Sunnie und Polli ermitteln. Die Kater haben doch bisher noch jeden Fall lösen können. Das behaupten sie zumindest in ihrer Geschichte. Der Autor Joachim Sohn, der bei den Katern wohnen darf, notiert nicht ganz ungezwungen, was die beiden ihm dazu zu berichten haben. Und was vielleicht äußerlich wie eine Kindergeschichte wirkt, ist in Wahrheit eine höchst anspruchsvolle Persiflage über Heldenreisen, Wortfindungen, Gedankenketten, Buchsatz und nicht zuletzt eine gewisse Selbstironie an die Geschichte über die beiden Kater selbst, die ein reiner Tatsachenbericht ist.

Eine philosophische Katzengeschichte für Fans von Walter Moers und Freunde von ganz besonderer Unterhaltung in Wort, Schrift und Bild des Buches.
(Quelle)




Über den Autor

Joachim Sohn wurde 1968 in Wiesbaden geboren, studierte in Mainz, Konstanz und Berlin Vergleichende Sprachwissenschaften, Romanistik und Theater-, Film und Fernsehwissenschaft. Außerdem qualifizierte er sich an der Animation-School in Hambung zum Animationsdesigner. Er war viele Jahre freiberuflich für deutsche Trickfilmproduktionen tätig und arbeitet seit 2004 als Flash-Designer und Animation-Director in Düsseldorf.

Neben seinem Einsatz für vegane Ernährung, humanistisches Denken und den Tierschutz erfindet er auf umweltschonenden Zugfahrten tiefgründige Geschichten. Allerdings muss man einwenden, dass diese Geschichten eigentlich den Gehirnwindungen zweier Kater entspringen, wie sie im vorliegenden Buch beschrieben werden. Aber lesen Sie selbst!


Weitere Informationen auch auf seiner Homepage.