Donnerstag, 10. Mai 2018

{Rezension} Unter Schwarzen Federn

Eine schnatternde Meute Teenager
Eine unscheinbare Außenseiterin
Eine Verwandlung unter Tränen

Fees Leben ist die Hölle. Auch der Wechsel an die neue Schule bringt keine neuen Chancen, sondern nur Psychoterror und Ausgrenzung. Eines Tages spitzen sich die Dinge so zu, dass Fee nur noch einen Ausweg sieht, und der ist endgültig. Statt sie jedoch von ihrem Leben zu erlösen, bringt der von Markus vereitelte Selbstmordversuch sie in die Therapie. Wird sie es mit seiner Hilfe schaffen, ihren Lebensmut wiederzufinden, oder wurde sie bereits zu tief verletzt?

In „Unter schwarzen Federn“ spinnt Autorin Sabrina Schuh mit den Elementen von Andersens hässlichem Entlein eine düster-romantische Geschichte über Ausgrenzung, Todeswünsche und den schweren Weg eines jungen Mädchens auf der Suche nach ihrem wahren Selbst.

Figuren
Fee ist psychisch labil, wird von ihren Eltern vernachlässigt und es wirkt, als habe sie sich schon lange mit ihrer Opferrolle abgefunden. Sie wird in ihrer Schule gemobbt und scheint völlig einsam zu sein. Enttäuscht von allem und jedem versucht sie zu Beginn des Buches, sich umzubringen. Wie bereits im Klappentext herauszulesen ist, begibt Fee sich eher widerwillig in Therapie. Durch ihre schwachen Nerven kommt es oft dazu, dass sich ihre Gefühle überschlagen und meist völlig unpassend kommen. An sich sind diese Eskalationen zwar unter ihren Umständen verständlich, doch hätten sie meiner Meinung nach „schöner“ in die Szenen verpackt werden können. Auf die holprige Art und Weise, wie diese „Schübe“ kamen und wie biestig sie sich gegenüber Markus gibt, kam es nämlich dazu, dass Fee für mich bald anstrengend wurde und es mir immer schwerer fiel, Verständnis für sie aufzubringen, obwohl sie krank ist und nichts für das kann, was in ihrem Kopf vor sich geht. 
Markus ist ihr wortwörtlicher Lebensretter. Er hat selbst bereits einige schlimme Dinge durchmachen müssen und beschäftigt sich seit dem Freitod seiner Mutter mit Psychologie. Was ich toll hierbei finde ist, dass er im Verlaufe des Buches einsieht, dass das, was er in seiner Freizeit in Büchern studiert hat, wenig mit der Realität zu tun hat, mit der Fee ihn konfrontiert.

Schreibstil
Sabrina Schuh geht im Erzählen der Story mehr auf emotionale, statt auf optische Details ein. Ihr Schreibstil selbst ist zwar simpel gehalten, schafft aber schön konstruierte Bilder und sorgt für ein schnelles Vorankommen. Manche Konversationen, vor allem die zwischen Fee und ihrer Mutter, waren mir jedoch zu überspitzt geschrieben, wodurch mir teilweise die Stimmung und der Ernst der entsprechenden Szenen kaputtgemacht wurden.


Inhalt
Als Markus Fee von ihrem perfekt durchgeplantem Suizid abbringt, wird schnell deutlich, dass hier zwei emotionale Wracks aufeinandertreffen.
Wirklich toll finde ich die Tatsache, dass die Autorin viele Probleme, die das Mobbing betreffen, anspricht. Sei es die Ignoranz der Umstehenden, die Hilflosigkeit der Opfer oder die Unterschätzung der Gefahr, die all das mit sich bringen kann. Mit Fee hat Sabrina Schuh das krasseste und traurigste Resultat geschaffen. 
Welche Diagnose Fee genau bekommt, wird zwar nicht erwähnt, doch passen ihre lauten und oft streitsüchtigen Ausfälle und die manischen Züge zu dem emotionalen Bild, das ich von ihr bekommen habe. Hier sei aber erwähnt, dass ich natürlich keine Ahnung von dieser Medizin habe und mir auch auf keinen Fall anmaßen möchte, selbst irgendwelche Laien-Diagnosen zu geben.
Was mir noch gefehlt hat, ist das Umfeld der beiden. Zwar trifft man kurz auf die Clique, die Fee das Leben so schwer macht, doch lernt man nicht viel über sie. Möglicherweise hätte ich so auch mehr Verständnis für das manchmal für mich unlogische Verhalten der beiden Hauptprotagonisten aufbringen können.
Manches im Buch wirkt auf mich leider zu übertrieben. Zum Einen die bereits angesprochenen Konversationen, zum Anderen aber auch die Reaktionen mancher Figuren. Einiges ist auch einfach für meinen Geschmack zu sehr an diversen Stereotypen orientiert.- Vor allem die Rollenverteilung der einzelnen Personen.- Ausgerechnet der beliebteste Junge der Schule verliebt sich in das schüchterne, gemobbte Mädchen, das ihm sonst nie aufgefallen ist und seine Ex ist auch noch die schlimmste Feindin des Mädchens. Auf der anderen Seite löst die Autorin aber auch viele Klischees auf, die man mit psychischen Erkrankungen und dem Aufenthalt in dafür spezialisierten Kliniken in Verbindung bringt und klärt über deren wahre Naturen auf. Außerdem führt sie sehr vorsichtig und einfühlend an den Umgang mit psychischen Problemen und die Erlebnisse der Betroffenen heran ohne das gesamte Thema belastend auszuweiten. 

Da „Unter Schwarzen Federn“ eine Märchenadaption vom Hässlichen Entlein ist, passt es natürlich, dass Fee auch selbst eine Verwandlung durchläuft. Diese liest sich zwar heraus, doch hätte Sabrina Schuh diese vielleicht noch etwas deutlicher machen können. Denn selbst bis kurz vorm Ende bleibt Fee sehr unsicher und stellt die Welt als komplett gegen sie gerichtet hin, obwohl viele Menschen viel für sie tun. Die wirkliche „Verwandlung“ findet meiner Meinung nach etwas zu abrupt und plötzlich statt, ohne einen wirklichen Vorgang an sich zu haben.

Für Szenekenner können die Details vielleicht etwas unstimmig wirken, wenn es um die direkte Zugehörigkeit zur Gothic- und Metalszene geht, da die Bands, die Fee zugeschrieben werden, nur bedingt zu diesen zählen und sie letztendlich gar nicht so „abnormal“ ist, wie ihr Umfeld sie darstellen will. Das tut dem Buch allerdings keinen Abbruch, ist mir nur selbst als „Eingefleischte“ aufgefallen. :P (Der Vollständigkeit halber, wollte ich dies hier nur mal kurz erwähnen.)

 Ich denke, dass gerade jugendliche Leser eine super Zielgruppe für diesen Roman sind, da die Autorin hier sanft an ein ernstes Thema heranführt, dabei aber eine unterhaltsame leichte Geschichte erzählt und diese nicht mit Fachbegriffen oder ausschließlicher Traurigkeit überlagert.

Es war, als verschlänge ein schwarzes Loch zunächst meine Emotionen und dann mich selbst. Wie gerne hätte ich geschrien, um Hilfe gefleht, doch aus meiner Kehle drang kein Laut. Zu oft waren meine Schreie ungehört verklungen. Zu oft hatte man meine Hilferufe abgetan, als seien sie nicht mehr als die trotzigen Worte eines Kindes, dem das Essen nicht schmeckte.
Seite 30

Die meisten Menschen reden sich gerne ein, dass sie auf etwas zu rennen, das neuer, besser und schöner ist. In Wahrheit rennen sie jedoch nur so schnell sie können vor den Dingen in ihrem Leben weg, die anstrengend, kompliziert und verzwickt sind.
Seite 93

Für mich persönlich nicht unbedingt das Nonplusultra, allerdings eine spannende Geschichte für Zwischendurch, die sich mit einem ernsten Thema intensiv auseinandersetzt.

4/7
ISBN: 9783961117017

Weitere Rezensionen anderer Blogs
Vielen Dank an die Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Sonntag, 6. Mai 2018

{Blogtour} Unter Schwarzen Federn - Mobbing und ich

Unter dem Motto „Unter schwarzen Federn & Ich“ greifen 10 Bloggerinnen 10 Kernfragen des Buches auf und teilen ihre Gedanken dazu mit euch. Freut euch auf 10 wundervolle Berichte, die persönlich, hoffnungsvoll, nachdenklich, motivierend oder auch mal kritisch sind.


Gestern konntet ihr bereits zum ersten Tag der Blogtour einen Beitrag bei Binchen's Bücherblog darüber finden, was sie für Erwartungen an das Buch "Unter Schwarzen Federn" von Sabrina Schuh hatte. (Hier gelangt ihr zu ihrem Post)
Heute bin ich an der Reihe, mit der Frage, warum ich ein Buch über das Thema Mobbing lesen wollte und wie genau ich eigentlich zu dem Ganzen stehe. Morgen werdet ihr dann bei Bücherlilien ihren Beitrag unter der Überschrift "Mobbing leicht gemacht" hier finden.

Bild könnte enthalten: Text

Mobbing und ich & Warum ich ein Buch über Mobbing lesen wollte

Selbstverständlich hat mich „Unter Schwarzen Federn“ nicht nur angesprochen, weil es sich mit dem Thema Mobbing befasst, sondern auch aus diversen anderen Gründen, allerdings war ich selbst einige Jahre als Teenager von dem Ganzen betroffen und deshalb geht mir Fees Schicksal besonders nahe. Glücklicherweise wurde ich nie zu Selbstverletzung oder gar Selbstmordgedanken getrieben, doch habe ich beim Lesen viele Muster wiedererkannt, die ich zurückblickend auch bei denen erkenne, die mich fertigmachen wollten.

An meinem Tag zur Blogtour, beziehungsweise zu unserem „Experiment“ möchte ich aber nicht über meine Vergangenheit schreiben, sondern darüber, warum ich ein Buch mit so einem traurigen Thema lesen wollte.
Erstens könnte ich hier wohl mit der gleichen Begründung kommen, die ich auch gebe, wenn mich jemand fragt, warum ich Thriller oder Krimis lese.- Weil es mich eben manchmal auch nach „negativen“ Erlebnissen verlangt (natürlich nur gelesene). Andererseits fand ich aber auch den Gedanken daran, dass man auch die anderen Seiten mal kennenlernt, interessant. Wie bereits erwähnt kenne ich mich mit der Opferrolle bereits aus, doch was wirklich die Täter antreibt, jemandem das Leben derart schwer zu machen und warum die Beistehenden oft nichts tun, habe ich selten begriffen. Natürlich gibt es die 08/15-Antworten, aber es existieren wahrscheinlich so viele Arten von Mobbing, wie es auch Menschen gibt. Jeder nimmt es anders wahr, jeder erinnert sich anders und alle gehen auf unterschiedlichste Weisen damit um. Zwar lernt man in „Unter Schwarzen Federn“ natürlich auch nicht alle Seiten und alle kleinsten Details kennen, doch hat Fees und Markus' Geschichte meine Gedanken nur bestätigt, denn wie sie sich mit dem Thema auseinandersetzen sieht wieder ganz anders aus, als es bei mir oder Freunden, deren Geschichten ich kenne, der Fall war.

Auf der anderen Seite verrät der Klappentext allerdings auch, dass Fee gerettet wird und den Kampf gegen ihre eigenen Selbstzweifel beginnt. Die Hoffnung darauf, dass sie wieder auf die Beine kommt, und natürlich auch ihr Weg bis dahin haben bei mir genauso die Neugier geweckt. Einfach darauf hoffen zu können, dass dieser traurige Beginn ein gutes Ende nimmt und den Werdegang des Hässlichen Entleins zum Schönen Schwan mitzuverfolgen hätten mich auch schon so dazu gebracht, „Unter Schwarzen Federn“ lesen zu wollen.

Da ich die Autorin Sabrina Schuh zur Leipziger Buchmesse kurz kennenlernen durfte, habe ich die Zeit natürlich auch genutzt, um mit ihr über ihr Buch zu reden und mich hat es wirklich traurig gemacht, als sie meinte, dass sie schon des Öfteren von ihren Lesern hörte, dass sie ebenfalls regelmäßig mit Mobbing konfrontiert werden. Das Schlimmste für mich persönlich ist dabei wohl, dass ich auch weiß, wie viele sehr junge Leute zu Opfern von so etwas werden. Daher finde ich es toll, dass dieses Buch sich nicht nur damit befasst, wie ein Leben durch andere Menschen zerstört werden kann, sondern auch Betroffenen Mut gibt, indem es zeigt, wie selbst jemandem, der scheinbar am tiefsten Punkt seiner Tage angekommen ist, zurück ans Licht geholfen werden kann und dass es auch viel an einem selbst liegt, wie man damit umgeht. Natürlich kann man nicht wie im Märchen die Menschen von jetzt auf gleich ändern, aber man kann selbst entscheiden, wie man auf sie reagiert und selbst aus den Schlechten Dingen etwas Gutes drehen, wenn man sich anstrengt.





Das Gewinnspiel

Um in den Lostopf zu springen, beantwortet einfach meine Frage!
Wie steht ihr zum Mobbing? Würdet ihr gern darüber lesen, oder das Thema lieber meiden?
Teilnahmeschluss: 15.5.18 um 23:59 Uhr.

Zu gewinnen gibt es: 
Hauptpreis: Eine Decke, eine Zaubertasse und ein signiertes Print von "Unter schwarzen Federn"
Trostpreise: 3 eBooks im Wunschformat von "Unter schwarzen Federn"

-> Zu den Teilnahmebediungungen

Wer gewonnen hat, erfahrt ihr nach der Auslosung hier!


Alle Stationen der Blogtour auf einen Blick
05.05. - Erwartungen bei Sabrina von Binchen’s Bücherblog
06.05. - Mobbing und ich bei Annabel von Bookdemon
07.05. - Mobbing leicht gemacht bei Isabel von Bücherlilien 
08.05. - Unperfekt perfekt bei Jeanette von Eine Bücherwelt
09.05. - Ich bin anders - na und? bei Lina von MemoriesOfBooks
10.05. - Stigmatisierung psychischer Erkrankung bei Nicki von Nickis Bücherwelt
11.05. - Weg mit den Klischees?! bei Anna von Passion4Books
12.05. - Todschweigen leicht gemacht bei Lena von Awkward Dangos
13.05. - Märchenadaption - braucht man das oder kann das weg? bei Sharon von Bücherschrank
14.05. - Ziel erfüllt? bei Sabana von Buchjunkie



Montag, 23. April 2018

{Rezension} Wächter und Wölfe - Das Ende des Friedens

Krieg wird kommen, Verrat wird lähmen, Tod wird herrschen …
Dom ist ein Seher, doch seine Gabe ist mehr Fluch als Segen, denn seine Visionen sind ungenau und körperlich auszehrend. Da begegnet er der geflohenen Sklavin Rillirin. Sie warnt ihn und sein Volk vor einer Invasion der Barbaren. Aber kaum jemand glaubt ihr. Da ereilt Dom eine Vision von erschreckender Klarheit. Er muss Rillirin vertrauen und den Klan der Wächter und Wölfe auf den Krieg vorbereiten, sonst wird nicht nur er sterben, sondern sein ganzes Volk.


Figuren
Wie so oft, wenn ich High Fantasy rezensiere, habe ich mir wieder nur ein Paar der auftretenden Charaktere herausgepickt, da sie mir am wichtigsten erscheinen.
Als Ersten hätten wir da Dom. Er ist der Calestar seines Volkes, was bedeutet, dass er immer wieder  relativ unkontrollierbare Anfälle hat, in denen  er die Zukunft oder wichtige Ereignisse sieht, die gerade woanders stattfinden. Am schlimmsten sind diese Visionen jedoch, wenn er Rillirin berührt. Diese landet eher zufällig in seiner Obhut, denn eigentlich ist sie eine Sklavin der Mirak, den Feinden der Wächter und der Wölfe. Dafür, dass Rillirin ungefähr in meinem Alter sein müsste, verhält sie sich nicht wirklich so. Sie wirkt mit ihrer Tollpatschigkeit und ihrer Angst noch sehr kindlich und immer fehl am Platz, entwickelt sich jedoch mit dem Verlauf der Geschichte immer weiter zu einer Figur, von der ich gern gelesen habe. Darüber bin ich auch sehr froh, denn anfangs hat sie mich eher gestört und schien absolut nichts Besonderes zu sein.
Die dritte Figur, die ich euch vorstellen will, ist Crys. Es gibt zwar noch andere relativ wichtige Charaktere, doch er ist mir besonders ans Herz gewachsen und trägt auch nicht gerade wenig zu den Geschehnissen bei. Crys ist die Wache der beiden Prinzen von Rilpor und auch, wenn man ihn zu Beginn als einen Spieler und Trinker kennenlernt, entpuppt er sich schnell zu einer sehr fähigen Person. Mit seiner leicht abgedroschenen Art, konnte ich einfach nicht anders, als ihn zu mögen. Zumal er am Ende des Buches etwas tut, das ich quietschend und breit grinsend verfolgt habe.


Schreibstil
Die derbe Art der Figuren aber auch der rohe Schreibstil der Autorin sorgen nicht nur für sehr realistisch geschriebenes Gemetzel sondern hin und wieder sogar für den einen oder anderen Lacher. 
Zuerst hatte ich ja etwas gestutzt, als der Wechsel zwischen rund zehn Charakteren scheinbar gar nicht mehr aufhören wollte. Hinzu kommt, dass jedes Kapitel nur einige Seiten lag ist und man damit gar nicht wirklich lange nur bei einer Person bleibt.- Und doch hat das Ganze irgendwie funktioniert. Vielleicht liegt es daran, dass man trotzdem bestimmte Gruppen von Figuren hat und sich immer in deren Umkreis befindet, aber je weiter ich in der Geschichte vorankam, desto weniger fielen mir die Wechsel tatsächlich wirklich bewusst auf. Die Autorin hat sich auch mit überflüssigen Details sehr zurückgehalten. Der Fokus des Ganzen lag nicht auf Nichtigkeiten sondern auf dem Vorankommen der Story.

Inhalt
In „Wächter und Wölfe“ habe ich als Leserin (ganz grob genommen) zwei Seiten kennengelernt: Die Mirak, welche sich zu Beginn im Westen von Rilpor noch zusammenrotten und die Seite der Wächter und der Wölfe, welche zwar verschiedene Gruppen sind, aber immerhin ähnliche Interessen verfolgen und die Mirak als gemeinsamen Feind haben.
Die Geschichte beginnt bei den Mirak, bei welchen Rillirin als Sklavin lebt und dort einer blutigen Opferung beiwohnen muss, die so offenbar regelmäßig stattfindet (und von denen noch einige kommen werden). Von dort flieht sie jedoch Hals über Kopf, nachdem sie ihren Herren ermordet hat. Es dauert nicht besonders lange, bis sie auf Dom trifft, der sie bei sich aufnimmt und sich für ihre Rettung sogar mit seinen eigenen Leuten, den Wölfen, anlegt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, wie viele Probleme und Offenbarungen für ihn Rillirin mit sich zieht. 
Nicht nur unter den Mirak, sondern in so ziemlich allen Gruppen und Gemeinschaften und sogar im Königshaus kommt es immer wieder zu Reibereien und  der große Knall, der alle ins Unglück stürzen könnte, lässt somit nicht lange auf sich warten. 
Die Worte „Krieg wird kommen, Verrat wird lähmen, Tod wird herrschen.“ auf dem Klappentext treffen den Nagel auf den Kopf, denn genau diese Dinge treten ein. Die Story beginnt düster und dunkelt sich immer weiter ab, während ich das Gefühl hatte, dass das trotzdem erst der Anfang ist. Es kocht in allen Ecken und die Menschen fallen tot um wie die Fliegen.- Sei es durch Kämpfe, Opferungen oder Folterungen, die zum Schlechtwerden genau beschrieben sind. 
Wie bereits erwähnt wechselt mit jedem Kapitel auch die Sicht, aus der die Geschehnisse gerade beschrieben werden, doch gibt es im Großen und Ganzen trotzdem wenige abzweigende Handlungen. Alle Figuren bewegen sich auf ein und demselben Roten Faden, während dessen genauer Verlauf jedoch völlig in den Sternen steht. Sobald ich glaube, ich würde wissen, was nun kommen würde, wendete sich das Blatt drastisch und alles geriet wieder so durcheinander, dass ich mir meine Ideen neu zusammenlegen musste.- Die Spannung kommt also auch nicht zu kurz, sondern bleibt sogar permanent.

Bemerkenswert finde ich an diesem Buch, wie real Anna Stephens die Götter von Rilpor erscheinen lässt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie immer mehr mit der irdischen Welt verschmelzen und sogar zum Greifen nahe scheinen.

Sie ist wie eine Eiche, und die Welt ist Efeu, der an ihr hochklettert und sich um sie windet. Er rieb sich das Gesicht. Also, was geschieht mit dem Efeu, wenn sie fällt?
Seite 114

Tara lachte. „Ihr Männer habt solche Angst davor, dass jemand eure Männlichkeit infrage stellt. Da dachte ich, du würdest es mir verübelt, dass ich dich begleite, weil ich Titten habe, und es stellt sich heraus, dass deine Sorge dem Mann gilt, der andere Männer mag.“
Seite 255

High Fantasy, wie ich ihn noch nie gelesen habe. Gory, modern, spannend und voller interessanter Charaktere.

7/7

ISBN: 3734161304
Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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Samstag, 14. April 2018

{Rezension} Die Eiskriegerin - Die Dominium-Saga 1

An ihrem achten Geburtstag endet die Kindheit der kleinen Myra auf tragische Weise: Ihr Zuhause wird von vermummten Männern überfallen, ihr über alles geliebter Adoptivvater Fadi, wird getötet, Myra selbst gelingt in letzter Sekunde die Flucht in die eisigen Wälder Biaswads im Süden des Tränenreiches. Zehn Jahre später ist aus dem kleinen Mädchen eine starke Kriegerin geworden, die mit ihren beiden brennenden Klingen an der Seite des mächtigen Acrab für Frieden und Freiheit kämpft. Doch dann wird Myra von ihrer Vergangenheit eingeholt. Warum musste Fadi wirklich sterben? Und was weiß Acrab über den Tod ihres Vaters? Auf der Suche nach der Wahrheit stößt Myra auf Geheimnisse, die das ganze Reich in seinen Grundfesten erschüttern könnten ...

Figuren
Wenn ich an Licia Troisi denke, denke ich an eine Autorin, die wirklich starke und selbstständige Charaktere in ihre Geschichten setzt, gern die Klischeebilder vertauscht und jeder ihrer Figuren etwas Besonderes gibt. Leider ist das in Die Eiskriegerin abhanden kommen. 
Auf den ersten Seiten habe ich in Myra, die Hauptprotagonistin, noch viele Züge von Licia Troisis Art, Charaktere zu formen, wiedererkannt. Sie wirkt entschlossen, nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und ist mehr als wehrhaft. Doch je mehr ich von Myra gelesen habe, desto weniger mochte ich sie. Ihre Art ist nicht nur schroff, sondern sehr unsympathisch. Sie will mich nichts und niemandem etwas zu tun haben und trotzdem lässt sie es zu, dass man sich um sie sammelt und sie dann einfach nur unglaublich mies zu diesen Leuten ist. Vielleicht war das Ziel, eine unnahbare und ungewöhnliche Heldin zu schaffen, doch meiner Meinung nach führt sie sich die meiste Zeit einfach wie eine richtig unleidliche Figur auf, von der ich auch irgendwann gar nicht mehr lesen wollte. Auch ihre Wesenszüge schwanken auf eine sehr unharmonische Art. Mal ist sie sehr still, dann streut sie immer wieder selbst Salz in ihre psychischen Wunden und wird völlig kampfeswütig und währenddessen ist sie die Perfektion schlechthin.- Unglaublich talentiert, etwas ganz Besonderes, metzelt all ihre Gegner (so ziemlich) problemlos nieder und niemand kann sich ihr wirklich in den Weg stellen.
An ihrer Seite reist unter anderem Kyllen mit ihr. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass er die Hauptfigur ist und eigentlich galt auch die meiste Zeit meine Aufmerksamkeit ihm. Er ist emotional einfach viel interessanter und stabiler gebaut und die Art, wie er als Charakter funktioniert ist bei ihm auch viel besser nachzuvollziehen als bei Myra. Kyllen ist ein „Reiner“, der an dem System zweifelt, dem er dient. Gleichzeitig ist er auf der Suche nach dem „Befreier“. Sehr viel mehr kann ich euch da leider auch nicht zu seinen Aufgaben sagen, denn das ganze Gefüge habe ich bis zum Ende nicht richtig verstanden.


Schreibstil
Der Schreibstil, der mich in diesem Buch erwartet hat, entspricht nur zu einem geringen Teil dem, was ich von Licia Troisi gewohnt bin. Zwar treibt sie die Story zu Beginn noch schnell voran, ohne an Details zu sparen, und schafft viele deutliche und intensive Bilder, doch ist der Satzbau oft sehr merkwürdig gewählt und auch viele Worte wirken immer wieder fehl am Platz.- Wobei ich auch dazu sagen muss, dass ich glaube, dass das eher am Übersetzer liegen könnte. Denn, wie gesagt, eigentlich bin ich von Licia Troisi Besseres gewohnt. 

Inhalt
Myra habe ich samt dem Zeitpunkt kennengelernt, der ihr Leben veränderte und sie formte: Bei einem Überfall auf ihr Zuhause werden ihr Vater und eine Freundin der Familie getötet und sie selbst entkommt den Tätern nur sehr knapp. Damit verliert sie in einer Nacht alles, was sie jemals hatte. Als sie lange Zeit später auf einen ihrer Landsmänner trifft, wird die Ermordung ihrer Familie allerdings in ein neues Licht gerückt und damit holt sie die Vergangenheit urplötzlich wieder ein. Welche genauen Gedanken sie dabei hegt, oder ob sie nur auf stumpfe Rache aus ist, als sie beschließt, sie Männer zu finden, die ihr Leben zerstört haben, habe ich leider erst recht spät erfahren, als mein Interesse an Myras Schicksal schon so gut wie weg war. Auf der Suche nach Antworten und Rache geschehen einige Dinge, doch sind manche davon unschlüssig und ergeben für mich keinen Sinn im Zusammenhang mit der Handlung, die eigentlich sehr geradlinig voranschreitet. Zwar werden die Kapitel im Wechsel aus verschiedenen Sichten erzählt, doch befinden sie sich alle eigentlich auf Roten Fäden, die sehr parallel zueinander verlaufen.
Während der Handlung passieren immer wieder Zeitsprünge, die man immerhin dadurch erkennt, dass sie in einer Art „Tagebuchstil“ betitelt sind, der Zeitpunkt also immer genannt wird. Es gibt auch extra Tagesangaben, doch hat es sich die Autorin damit vielleicht etwas zu einfach gemacht, denn für mich ist dabei einiges an Tiefe verloren gegangen. Ein Satz, der aufgebaut ist wie „Innerhalb von X Tagen passierte Das-und-das“ fasst zwar schnell einen Zeitraum zusammen, der vielleicht sonst zu viel gewesen wäre, wenn man ihn über ein Kapitel erklärt hätte, doch kommen solche Stellen in Die Eiskriegerin nicht selten vor und somit fiel ich beim Lesen immer wieder aus dem Fluss heraus, sodass gar kein richtiger „Lesesog“ entstehen konnte. Genauere Erläuterungen der vergangenen Tage oder Wochen hätte ich eher begrüßt, selbst, wenn die nur ein bis zwei Absätze eingenommen hätten. Denn so wäre die Geschichte wenigstens zusammenhängender gewesen und hätte nicht stückchenweise wie eine stumpfe Nacherzählung gewirkt.
Beim Lesen der Kapitel, die aus Kyllens Sicht geschrieben sind, ist mir auch relativ schnell aufgefallen, was mir an denen von Myra gefehlt hat: Konversation. Alles, was man um Myras Welt mitbekommt, sind ihre Gedanken und Beobachtungen von Dingen, die sich den Großteil der Zeit gleichen und von Selbstmitleid überflutet werden. Auch ihre pseudo-philosophischen Gedankengänge und das regelmäßige „Mimimi, mir ist so kalt.“ haben nicht besonders zu Atmosphäre beigetragen, wenn ich ehrlich bin. Der Inhalt, der sich um sie dreht, hätte eigentlich auf halb so viele Seiten gepasst. Doch so, wie es ist, scheinen die meisten Dinge, die Myra erlebt, einfach überflüssig und vorhersehbar.

Eine Hauptfigur, die sich als höchst unsympathisch entpuppt und eine farblose und unspannende Handlung. Dieses Buch entspricht definitiv nicht dem, was ich von Licia Troisi gewohnt bin.

2/7

ISBN: 978-3-453-31899-1
Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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Montag, 9. April 2018

{Montagsfrage} Hast du 2018 schon ein oder mehrere Highlights gelesen?

Diese Aktion findet jeden Montag über Buchfresserchen statt.:)

9. April:  Ein Quartal des Jahres ist schon vorüber, Zeit für einen Zwischenstand. Hast du schon ein oder mehrere Highlights gelesen?

Da ich dieses Jahr (für meine Verhältnisse) schon sehr viel gelesen habe, gab es tatsächlich schon mehrere Highlights für mich. An sich waren zwar noch mehr Bücher dabei, die von mir sehr gute Bewertungen bekommen haben und die auch immer noch durch meinen Kopf spuken, aber um diesen Post nicht zu überladen, habe ich mich für die fünf Bücher entschieden, von denen ich auch anderen am meisten vorgeschwärmt habe und die mir auch am schnellsten eingefallen sind, ohne groß grübeln zu müssen. ;)


(Mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zu meiner Rezension)