Montag, 2. Mai 2016

{Rezension} Mozarts letzte Arie

Wien 1791. Ist Mozart, gerade mal 35 Jahre alt, wirklich an »hitzigem Frieselfieber« gestorben, wie offiziell diagnostiziert?Oder wurde er vergiftet, wie er selbst vermutet hat? Beherzt geht Mozarts Schwester Nannerl den düsteren Verstrickungen nach, die seinen Tod verschuldet haben könnten. Eine erste Spur führt zu den Freimaurern und zu Mozarts letzter Oper, der›Zauberflöte‹. Enthält sie den Schlüssel zum Geheimnis um seinen Tod? Konfrontiert mit Komplotten österreichischer und preußischer Geheimdienste gerät Nannerl bei ihren Ermittlungen in höchste Gefahr …

Mit einem atmosphärischen und zarten Schreibstil entführt Matt Beynon Rees in das Wien von 1791, wo Nannerl (Mozarts Schwester) sich in ein gefährliches Spiel der Freimaurer einmischt um herauszufinden, warum ihr Bruder wirklich gestorben ist.
Nannerl, im Buch meist „Madame de Mozart“ genannt, ist eine interessante Figur. Sie ist fröhlich und sanftmütig, aber auch stark und energisch. Außerdem hat sie einige Fehler an sich, deren sie sich durchaus bewusst ist. Ihr Gedankenspiel zeigt immer wieder, dass sie mit sich nicht im Reinen ist, was sogar bis zum Ende des Buchs anhält. Das macht sie – mir zumindest – sehr sympathisch, da sie mal kein rundgelutschter, perfektionierter Charakter ist, sondern sich auch selbst manchmal im Weg steht und sehr real ist. (Ja, ich weiß, dass sie wirklich gelebt hat. Aber das hier ist immerhin ein Buch. Der Autor hatte jegliche kreative Freiheit.) Außerdem hebt sie sich als außergewöhnliche Figur für ein Buch hervor, da für sie eine Romanze noch etwas ganz Besonderes ist. Es wird kein großes Tamtam gemacht, oder sofort in die Kiste gesprungen. Die Gefühle, die sie für eine gewisse Person entwickelt kommen nur zaghaft und leicht und Nannerl kämpft lange mit sich selbst, diese für sich auch einzugestehen. (Wobei hier zu bemerken ist, dass diese Liebe nie eine tragende Rolle übernimmt.)
Die Geschichte selbst ist erst ab den letzten Kapiteln anspruchsvoll. Vorher wirkt „Mozarts letzte Arie“ mehr wie leichte Lektüre, in der man für einige Stunden in eine andere Welt abtauchen kann. Als sich aber alles immer mehr verstrickt und Nannerl der Antwort immer näher kommt, tauchen auch die Elemente auf, die ich in einem Krimi erwarten würde: Mord, Angst, Angriffe. 
Trotzdem wird die Geschichte nie wirklich gruselig, nur spannender.
Das Ende war nicht wirklich überraschend. Das Ergebnis wird immer wieder angedeutet und wenn man gut aufpasst, weiß man schon recht früh, was passieren wird.

"Heutzutage wird zu viel geredet ohne nachzudenken, und zu wenig auf die Dinge, wie sie nun einmal sind, Rücksicht genommen."
Seite 103

Spannende und leichte Unterhaltung mit einer tollen Hauptprotagonistin, viel Musik und einem bittersüßen Ende.
6/7


ISBN 978-3-423-21565-7

Andere Cover
Unter Anderem auch in anderen Sprachen.

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