Montag, 23. April 2018

{Rezension} Wächter und Wölfe - Das Ende des Friedens

Krieg wird kommen, Verrat wird lähmen, Tod wird herrschen …
Dom ist ein Seher, doch seine Gabe ist mehr Fluch als Segen, denn seine Visionen sind ungenau und körperlich auszehrend. Da begegnet er der geflohenen Sklavin Rillirin. Sie warnt ihn und sein Volk vor einer Invasion der Barbaren. Aber kaum jemand glaubt ihr. Da ereilt Dom eine Vision von erschreckender Klarheit. Er muss Rillirin vertrauen und den Klan der Wächter und Wölfe auf den Krieg vorbereiten, sonst wird nicht nur er sterben, sondern sein ganzes Volk.


Figuren
Wie so oft, wenn ich High Fantasy rezensiere, habe ich mir wieder nur ein Paar der auftretenden Charaktere herausgepickt, da sie mir am wichtigsten erscheinen.
Als Ersten hätten wir da Dom. Er ist der Calestar seines Volkes, was bedeutet, dass er immer wieder  relativ unkontrollierbare Anfälle hat, in denen  er die Zukunft oder wichtige Ereignisse sieht, die gerade woanders stattfinden. Am schlimmsten sind diese Visionen jedoch, wenn er Rillirin berührt. Diese landet eher zufällig in seiner Obhut, denn eigentlich ist sie eine Sklavin der Mirak, den Feinden der Wächter und der Wölfe. Dafür, dass Rillirin ungefähr in meinem Alter sein müsste, verhält sie sich nicht wirklich so. Sie wirkt mit ihrer Tollpatschigkeit und ihrer Angst noch sehr kindlich und immer fehl am Platz, entwickelt sich jedoch mit dem Verlauf der Geschichte immer weiter zu einer Figur, von der ich gern gelesen habe. Darüber bin ich auch sehr froh, denn anfangs hat sie mich eher gestört und schien absolut nichts Besonderes zu sein.
Die dritte Figur, die ich euch vorstellen will, ist Crys. Es gibt zwar noch andere relativ wichtige Charaktere, doch er ist mir besonders ans Herz gewachsen und trägt auch nicht gerade wenig zu den Geschehnissen bei. Crys ist die Wache der beiden Prinzen von Rilpor und auch, wenn man ihn zu Beginn als einen Spieler und Trinker kennenlernt, entpuppt er sich schnell zu einer sehr fähigen Person. Mit seiner leicht abgedroschenen Art, konnte ich einfach nicht anders, als ihn zu mögen. Zumal er am Ende des Buches etwas tut, das ich quietschend und breit grinsend verfolgt habe.


Schreibstil
Die derbe Art der Figuren aber auch der rohe Schreibstil der Autorin sorgen nicht nur für sehr realistisch geschriebenes Gemetzel sondern hin und wieder sogar für den einen oder anderen Lacher. 
Zuerst hatte ich ja etwas gestutzt, als der Wechsel zwischen rund zehn Charakteren scheinbar gar nicht mehr aufhören wollte. Hinzu kommt, dass jedes Kapitel nur einige Seiten lag ist und man damit gar nicht wirklich lange nur bei einer Person bleibt.- Und doch hat das Ganze irgendwie funktioniert. Vielleicht liegt es daran, dass man trotzdem bestimmte Gruppen von Figuren hat und sich immer in deren Umkreis befindet, aber je weiter ich in der Geschichte vorankam, desto weniger fielen mir die Wechsel tatsächlich wirklich bewusst auf. Die Autorin hat sich auch mit überflüssigen Details sehr zurückgehalten. Der Fokus des Ganzen lag nicht auf Nichtigkeiten sondern auf dem Vorankommen der Story.

Inhalt
In „Wächter und Wölfe“ habe ich als Leserin (ganz grob genommen) zwei Seiten kennengelernt: Die Mirak, welche sich zu Beginn im Westen von Rilpor noch zusammenrotten und die Seite der Wächter und der Wölfe, welche zwar verschiedene Gruppen sind, aber immerhin ähnliche Interessen verfolgen und die Mirak als gemeinsamen Feind haben.
Die Geschichte beginnt bei den Mirak, bei welchen Rillirin als Sklavin lebt und dort einer blutigen Opferung beiwohnen muss, die so offenbar regelmäßig stattfindet (und von denen noch einige kommen werden). Von dort flieht sie jedoch Hals über Kopf, nachdem sie ihren Herren ermordet hat. Es dauert nicht besonders lange, bis sie auf Dom trifft, der sie bei sich aufnimmt und sich für ihre Rettung sogar mit seinen eigenen Leuten, den Wölfen, anlegt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, wie viele Probleme und Offenbarungen für ihn Rillirin mit sich zieht. 
Nicht nur unter den Mirak, sondern in so ziemlich allen Gruppen und Gemeinschaften und sogar im Königshaus kommt es immer wieder zu Reibereien und  der große Knall, der alle ins Unglück stürzen könnte, lässt somit nicht lange auf sich warten. 
Die Worte „Krieg wird kommen, Verrat wird lähmen, Tod wird herrschen.“ auf dem Klappentext treffen den Nagel auf den Kopf, denn genau diese Dinge treten ein. Die Story beginnt düster und dunkelt sich immer weiter ab, während ich das Gefühl hatte, dass das trotzdem erst der Anfang ist. Es kocht in allen Ecken und die Menschen fallen tot um wie die Fliegen.- Sei es durch Kämpfe, Opferungen oder Folterungen, die zum Schlechtwerden genau beschrieben sind. 
Wie bereits erwähnt wechselt mit jedem Kapitel auch die Sicht, aus der die Geschehnisse gerade beschrieben werden, doch gibt es im Großen und Ganzen trotzdem wenige abzweigende Handlungen. Alle Figuren bewegen sich auf ein und demselben Roten Faden, während dessen genauer Verlauf jedoch völlig in den Sternen steht. Sobald ich glaube, ich würde wissen, was nun kommen würde, wendete sich das Blatt drastisch und alles geriet wieder so durcheinander, dass ich mir meine Ideen neu zusammenlegen musste.- Die Spannung kommt also auch nicht zu kurz, sondern bleibt sogar permanent.

Bemerkenswert finde ich an diesem Buch, wie real Anna Stephens die Götter von Rilpor erscheinen lässt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie immer mehr mit der irdischen Welt verschmelzen und sogar zum Greifen nahe scheinen.

Sie ist wie eine Eiche, und die Welt ist Efeu, der an ihr hochklettert und sich um sie windet. Er rieb sich das Gesicht. Also, was geschieht mit dem Efeu, wenn sie fällt?
Seite 114

Tara lachte. „Ihr Männer habt solche Angst davor, dass jemand eure Männlichkeit infrage stellt. Da dachte ich, du würdest es mir verübelt, dass ich dich begleite, weil ich Titten habe, und es stellt sich heraus, dass deine Sorge dem Mann gilt, der andere Männer mag.“
Seite 255

High Fantasy, wie ich ihn noch nie gelesen habe. Gory, modern, spannend und voller interessanter Charaktere.

7/7

ISBN: 3734161304
Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Samstag, 14. April 2018

{Rezension} Die Eiskriegerin - Die Dominium-Saga 1

An ihrem achten Geburtstag endet die Kindheit der kleinen Myra auf tragische Weise: Ihr Zuhause wird von vermummten Männern überfallen, ihr über alles geliebter Adoptivvater Fadi, wird getötet, Myra selbst gelingt in letzter Sekunde die Flucht in die eisigen Wälder Biaswads im Süden des Tränenreiches. Zehn Jahre später ist aus dem kleinen Mädchen eine starke Kriegerin geworden, die mit ihren beiden brennenden Klingen an der Seite des mächtigen Acrab für Frieden und Freiheit kämpft. Doch dann wird Myra von ihrer Vergangenheit eingeholt. Warum musste Fadi wirklich sterben? Und was weiß Acrab über den Tod ihres Vaters? Auf der Suche nach der Wahrheit stößt Myra auf Geheimnisse, die das ganze Reich in seinen Grundfesten erschüttern könnten ...

Figuren
Wenn ich an Licia Troisi denke, denke ich an eine Autorin, die wirklich starke und selbstständige Charaktere in ihre Geschichten setzt, gern die Klischeebilder vertauscht und jeder ihrer Figuren etwas Besonderes gibt. Leider ist das in Die Eiskriegerin abhanden kommen. 
Auf den ersten Seiten habe ich in Myra, die Hauptprotagonistin, noch viele Züge von Licia Troisis Art, Charaktere zu formen, wiedererkannt. Sie wirkt entschlossen, nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und ist mehr als wehrhaft. Doch je mehr ich von Myra gelesen habe, desto weniger mochte ich sie. Ihre Art ist nicht nur schroff, sondern sehr unsympathisch. Sie will mich nichts und niemandem etwas zu tun haben und trotzdem lässt sie es zu, dass man sich um sie sammelt und sie dann einfach nur unglaublich mies zu diesen Leuten ist. Vielleicht war das Ziel, eine unnahbare und ungewöhnliche Heldin zu schaffen, doch meiner Meinung nach führt sie sich die meiste Zeit einfach wie eine richtig unleidliche Figur auf, von der ich auch irgendwann gar nicht mehr lesen wollte. Auch ihre Wesenszüge schwanken auf eine sehr unharmonische Art. Mal ist sie sehr still, dann streut sie immer wieder selbst Salz in ihre psychischen Wunden und wird völlig kampfeswütig und währenddessen ist sie die Perfektion schlechthin.- Unglaublich talentiert, etwas ganz Besonderes, metzelt all ihre Gegner (so ziemlich) problemlos nieder und niemand kann sich ihr wirklich in den Weg stellen.
An ihrer Seite reist unter anderem Kyllen mit ihr. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass er die Hauptfigur ist und eigentlich galt auch die meiste Zeit meine Aufmerksamkeit ihm. Er ist emotional einfach viel interessanter und stabiler gebaut und die Art, wie er als Charakter funktioniert ist bei ihm auch viel besser nachzuvollziehen als bei Myra. Kyllen ist ein „Reiner“, der an dem System zweifelt, dem er dient. Gleichzeitig ist er auf der Suche nach dem „Befreier“. Sehr viel mehr kann ich euch da leider auch nicht zu seinen Aufgaben sagen, denn das ganze Gefüge habe ich bis zum Ende nicht richtig verstanden.


Schreibstil
Der Schreibstil, der mich in diesem Buch erwartet hat, entspricht nur zu einem geringen Teil dem, was ich von Licia Troisi gewohnt bin. Zwar treibt sie die Story zu Beginn noch schnell voran, ohne an Details zu sparen, und schafft viele deutliche und intensive Bilder, doch ist der Satzbau oft sehr merkwürdig gewählt und auch viele Worte wirken immer wieder fehl am Platz.- Wobei ich auch dazu sagen muss, dass ich glaube, dass das eher am Übersetzer liegen könnte. Denn, wie gesagt, eigentlich bin ich von Licia Troisi Besseres gewohnt. 

Inhalt
Myra habe ich samt dem Zeitpunkt kennengelernt, der ihr Leben veränderte und sie formte: Bei einem Überfall auf ihr Zuhause werden ihr Vater und eine Freundin der Familie getötet und sie selbst entkommt den Tätern nur sehr knapp. Damit verliert sie in einer Nacht alles, was sie jemals hatte. Als sie lange Zeit später auf einen ihrer Landsmänner trifft, wird die Ermordung ihrer Familie allerdings in ein neues Licht gerückt und damit holt sie die Vergangenheit urplötzlich wieder ein. Welche genauen Gedanken sie dabei hegt, oder ob sie nur auf stumpfe Rache aus ist, als sie beschließt, sie Männer zu finden, die ihr Leben zerstört haben, habe ich leider erst recht spät erfahren, als mein Interesse an Myras Schicksal schon so gut wie weg war. Auf der Suche nach Antworten und Rache geschehen einige Dinge, doch sind manche davon unschlüssig und ergeben für mich keinen Sinn im Zusammenhang mit der Handlung, die eigentlich sehr geradlinig voranschreitet. Zwar werden die Kapitel im Wechsel aus verschiedenen Sichten erzählt, doch befinden sie sich alle eigentlich auf Roten Fäden, die sehr parallel zueinander verlaufen.
Während der Handlung passieren immer wieder Zeitsprünge, die man immerhin dadurch erkennt, dass sie in einer Art „Tagebuchstil“ betitelt sind, der Zeitpunkt also immer genannt wird. Es gibt auch extra Tagesangaben, doch hat es sich die Autorin damit vielleicht etwas zu einfach gemacht, denn für mich ist dabei einiges an Tiefe verloren gegangen. Ein Satz, der aufgebaut ist wie „Innerhalb von X Tagen passierte Das-und-das“ fasst zwar schnell einen Zeitraum zusammen, der vielleicht sonst zu viel gewesen wäre, wenn man ihn über ein Kapitel erklärt hätte, doch kommen solche Stellen in Die Eiskriegerin nicht selten vor und somit fiel ich beim Lesen immer wieder aus dem Fluss heraus, sodass gar kein richtiger „Lesesog“ entstehen konnte. Genauere Erläuterungen der vergangenen Tage oder Wochen hätte ich eher begrüßt, selbst, wenn die nur ein bis zwei Absätze eingenommen hätten. Denn so wäre die Geschichte wenigstens zusammenhängender gewesen und hätte nicht stückchenweise wie eine stumpfe Nacherzählung gewirkt.
Beim Lesen der Kapitel, die aus Kyllens Sicht geschrieben sind, ist mir auch relativ schnell aufgefallen, was mir an denen von Myra gefehlt hat: Konversation. Alles, was man um Myras Welt mitbekommt, sind ihre Gedanken und Beobachtungen von Dingen, die sich den Großteil der Zeit gleichen und von Selbstmitleid überflutet werden. Auch ihre pseudo-philosophischen Gedankengänge und das regelmäßige „Mimimi, mir ist so kalt.“ haben nicht besonders zu Atmosphäre beigetragen, wenn ich ehrlich bin. Der Inhalt, der sich um sie dreht, hätte eigentlich auf halb so viele Seiten gepasst. Doch so, wie es ist, scheinen die meisten Dinge, die Myra erlebt, einfach überflüssig und vorhersehbar.

Eine Hauptfigur, die sich als höchst unsympathisch entpuppt und eine farblose und unspannende Handlung. Dieses Buch entspricht definitiv nicht dem, was ich von Licia Troisi gewohnt bin.

2/7

ISBN: 978-3-453-31899-1
Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Montag, 9. April 2018

{Montagsfrage} Hast du 2018 schon ein oder mehrere Highlights gelesen?

Diese Aktion findet jeden Montag über Buchfresserchen statt.:)

9. April:  Ein Quartal des Jahres ist schon vorüber, Zeit für einen Zwischenstand. Hast du schon ein oder mehrere Highlights gelesen?

Da ich dieses Jahr (für meine Verhältnisse) schon sehr viel gelesen habe, gab es tatsächlich schon mehrere Highlights für mich. An sich waren zwar noch mehr Bücher dabei, die von mir sehr gute Bewertungen bekommen haben und die auch immer noch durch meinen Kopf spuken, aber um diesen Post nicht zu überladen, habe ich mich für die fünf Bücher entschieden, von denen ich auch anderen am meisten vorgeschwärmt habe und die mir auch am schnellsten eingefallen sind, ohne groß grübeln zu müssen. ;)


(Mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zu meiner Rezension)


Samstag, 31. März 2018

{Rezension} Das Auge von Licentia

Jonata lebt mit ihrer Familie in der Mittelaltersiedlung Licentia. Smartphones, den Supermarkt um die Ecke, all das kennt sie nicht, ahnt noch nicht mal von deren Existenz. Und schon gar nicht weiß sie, dass „Licentia“ in Wahrheit eine Fernsehshow ist, und die ganze Welt ihr und den anderen Bewohnern Licentias zusieht – jeden Tag, schon seit Jahren. Erst, als sie auf Tristan trifft, einen Jungen aus dem verfeindeten Clan der Wolfsbanner, kommen die Lügen und Geheimnisse ihres Dorfs langsam ans Tageslicht, und Jonata wird für manche Dorfbewohner zu einer Bedrohung …

Figuren
Ich muss zugeben, dass ich eine ganze Weile brauchte, um mich an Tristan, den Wolfsbanner und Jonata zu gewöhnen. Allerdings habe ich irgendwann in meinem Kopf einfach 3 bis 4 Jahre von ihrem Alter abgezogen und schon funktionierte das Ganze besser. Eigentlich ist Tristan im Buch ja 16 und Jonata 13, doch verhalten sie sich eher, als wären sie noch gar nicht richtig in der Pubertät. Kindisch und doch sehr naiv eben. Schade fand ich es auch, dass sich beide Figuren so unglaublich stark gleichen. Ihre Art ist fast dieselbe und selbst ihre Tagesabläufe sind sehr ähnlich strukturiert.
Auch alle anderen Figuren wirken nicht wirklich natürlich sondern in ihrer Art sehr aufgesetzt und hölzern. Bei den Erwachsenen kann ich das Ganze sogar noch verstehen, denn sie wissen, dass sie permanent beobachtet werden und ihr Leben eine Realityshow ist, dennoch verhalten sich auch die Kinder nicht anders. Dadurch konnte ich bei keiner einzigen Figur eine wirkliche Persönlichkeit erkennen, die sie einzigartig macht. Es war eher, als wären alle Figuren eine graue Masse.

Schreibstil
Mit dem Schreibstil von Deana Zinßmeister bin ich mir nicht so sicher. Sie schreibt relativ simpel, ohne völlig anspruchslos zu sein. Ihr Schreibstil ist eigentlich ideal für junge Leser, die sich vielleicht das erste Mal an ein längeres Buch, das keine Schullektüre ist, herantasten möchten.
Ihre Figuren in „Das Auge von Licentia“ leben ja in einem mittelalterlichen Dorf und dass die Personen etwas geschwülstig reden, ist sogar sehr passend und ich musste auch schmunzeln, als es sogar von den Erwachsenen angesprochen wurde, dass diese Sprechweise nervt, allerdings verfällt auch ihr Schreibstil manchmal in diese altertümliche Sprache, was dann doch irgendwie für mich nicht zum Rest passte.


Inhalt
Auch, wenn ich eigentlich ungern das wiederhole, was bereits in vielen anderen Rezensionen erwähnt wurde, kann ich trotzdem nicht anders, als den Vergleich zur Truman-Show zu ziehen. Es ist nun mal einfach so, dass man das ganze Konzept wohl einfach nicht besonders neu erfinden kann, und die Autorin konnte es hin und wieder abwenden, doch ist das Truman-Feeling gerade in der ersten Hälfte des Buches sehr präsent. Immerhin kann ich euch auch sagen, dass sich das ab der zweiten Hälfte ändert und man nicht den völligen Inhalt der Story voraussehen kann, nur weil man den Film kennt, was ich ja anfangs befürchtet hatte. Abgesehen davon habe ich beim Lesen auch gemerkt, dass ich mich wohl etwas vergriffen hatte, was das Buch anging.- Oder Falsches erwartet hab. Nach einer Leseprobe und dem Klappentext dachte ich mir, dass dieses Jugendbuch auch etwas für Leser sein könnte, die etwas über der Altersempfehlung liegen (Die ich von 12 Jahren sogar noch etwas heruntersetzen würde), jedoch hatte ich mich da wohl getäuscht. Als Minuspukt kann ich das dem Buch allerdings nicht anrechnen, denn es war ja schließlich ein Fehler meinerseits.

Es brauchte seine Zeit, bis die ganze Story in Gang kam und ich wirklich wissen wollte, wie es denn nun weiter geht. Einen kleinen Puffer gab es da allerdings trotzdem, denn wer richtige Action erwartet ist bei „Das Auge von Licentia“ fehl am Platz. 
Nach dem Klappentext und den ersten Kapiteln hatte ich erwartet, dass die Manipulation der Moderatoren, beziehungsweise des Fernsehteams im Vordergrund stehe würde. Dass ich als Leserin miterleben würde, wie die Leben der Menschen streng von den Produzenten geleitet werden und man vielleicht sogar mehr Unwollen der Erwachsenen bemerkt. Diese Aspekte sind allerdings eher semi-präsent, obwohl einzelne Kapitel den Leuten „hinter den Kameras“ gewidmet sind. Stattdessen ist die plötzliche Romanze zwischen Jonata und Tristan eher der Mittelpunkt und der wurde mir leider auch viel zu plötzlich vor die Füße geworfen. Die beiden stoßen einmal im Wald im Dunkeln aufeinander und plötzlich beginnt die große Schwärmerei. Hier hätte ich es schöner gefunden, wenn sich das langsam aufgebaut hätte und nicht gleich in einem Schmachten nach dem jeweils anderen resultiert wäre. Eine Art „Romeo und Julia“ in neu quasi. Die Idee hinter all dem, also der „heimlichen“ Realityshow, einer verbotenen Romanze zwischen zwei sehr jungen Leuten, die aus rivalisierenden Dörfern stammen und die zwielichtigen Strippenzieher waren an sich eine sehr gute Idee und hätten mich in einer anderen Umsetzung sicher mehr angesprochen, doch leider waren mir viele Geschehnisse viel zu überstürzt, unrealistisch und die Figuren zu unecht und übertrieben.- Selbst, wenn ich danach gehe, dass dieses Buch für Leser ist, die um einiges jünger als ich sind.

„[...] Ich habe sonst niemanden mehr auf dieser Welt, dem ich vertrauen kann.“, flüsterte sie. Er legte seine Arme um ihre Hüfte und zog sie an sich. „Du darfst nicht verzweifeln, Joanata. Schon bald wirst du wieder lachen können, das verspreche ich dir“, flüsterte er in ihr Haar.
Seite 268

Ein Buch, das sich mit einer interessanten Thematik auseinandersetzt, jedoch für mich in den Punkten Protagonisten und Story, beziehungsweise Spannungsaufbau einiges einbüßt.

3/7

ISBN 978-3-401-60350-6


Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Mittwoch, 28. März 2018

{Rezension} Das Fehlen des Flüsterns im Wind

 „Ich bin noch hier!“, rief er herausfordernd in den Raum. Aber nicht einmal ein Echo antwortete ihm. Sein Ruf verklang ungehört im Nichts und die Stille wog schwerer als zuvor.
Ein alter Uhrmacher vor einem Rätsel. Endlose Wanderungen durch Eis und Schnee. Lockende Versprechungen eines Baumes. Wenn das Licht schwindet und die Schatten dichter zusammenrücken, wenn kalte Finger nach dir greifen und dein Weg unweigerlich zu Ende scheint: Wem schenkst du dein Vertrauen?
21 phantastische Geschichten vom Grund der Dinge. Zum Gruseln, Träumen und Nachdenken.
Geheimnisvoll, düster und melancholisch erzählt Miriam Schäfer von den Welten zwischen Traum und Wirklichkeit, Licht und Schatten, Wahrheit und Legende.

Das hier ist nach Jahren die erste Rezension, die ich über eine Kurzgeschichtensammlung schreibe. Da alle 21 Kurzgeschichten in „Das Fehlen des Flüsterns im Wind“ recht individuell sind, habe ich mich dazu entschlossen, „Figuren“, „Schreibstil“ und „Inhalt“ nicht wie gewohnt getrennt zu bewerten, sondern meine Rezension in einem Fließtext zusammenzufassen. So fällt es mir einfach leichter, das Buch als Gesamtes zu rezensieren. Denn, seien wie ehrlich, wenn ich jede Geschichte einzeln bewerten würde, würde ich die kommenden Tage zu gar nichts mehr kommen.
Das nur als kleine Info am Rande.


Ich muss ja zugeben, dass ich eigentlich immer einen Bogen um Kurzgeschichten gemacht habe, einfach, weil ich annahm, dass sie mir nicht so viel geben könnten wie ein Buch, aber- Oh Boy!- Miriam Schäfer hat mich eines Besseren belehrt. 
Ich wollte mir die 21 Kurzgeschichten ursprünglich einteilen, um mehrere Tage etwas vom Buch zu haben, doch war es wie mit Keksen: Man gönnt sich dann doch noch eine Seite, und noch eine, und schon ist man am Ende angelangt. Dazu noch die Art und Weise, wie die Darstellungen „schmecken“!- Wie Bitterschokolade, die langsam auf der Zunge zergeht.
Schon von der ersten Geschichte an bekam ich ein Gefühl für den Schreibstil der Autorin. Ihre Storys sind immer sehr stimmungsvoll und geben eine ganz besondere Atmosphäre wider. 
Wer im Deutschunterricht ein bisschen aufgepasst hat, weiß ja, dass Kurzgeschichten fast immer wie ein Ausschnitt aus einem großen Ganzen wirken und darin sehr selten einfach Orts- oder Zeitsprünge stattfinden und die Enden für gewöhnlich offen sind. Meistens also auch ohne Vorgeschichte wird der Leser direkt vor eine Situation gesetzt. Logischerweise bringt das auch einige Geheimnisse über die Personen, Orte und ihre Vergangenheiten mit sich. Miriam Schäfer hat diese Tatsache sehr gekonnt für ihre Kurzgeschichten genutzt. Sie spielt förmlich mit dem Nichtvorhandensein von näheren Details, beziehungsweise den im Schatten liegenden Hintergründen und baut mit wenigen Worten sehr bildreiche Storys darum, die mal obskur, mal sehr emotional oder auch rabenschwarz und hoffnungslos sind.
Wie ein kleines Kunstwerk, das man länger betrachten muss, um verstehen zu können, was man sieht, brauchte es manchmal auch eine Weile des Grübelns, bis ich den Kern oder die Botschaft hinter der Geschichte, die ich gerade gelesen habe, erkennen konnte.- Wobei ich gestehen muss, dass ich sehr sicher bin, dass jeder Leser die Geschehnisse im Buch unterschiedlich wahrnimmt und erlebt.- Aber jede von ihnen, egal wie kurz, gab mir das Gefühl, mich in der einen oder anderen Art und Weise bereichert zu haben.
Hierzu möchte ich aber auch sagen, dass es für mich auch wichtig war, die Kurzgeschichten nicht zu sehr zu zerdenken. Sie alle waren, mal mehr, mal weniger, surreal und teilweise habe ich dann lieber die Absonderlichkeit mancher Handlungen und Szenen hingenommen, statt die gelesenen Seiten zu Tode zu analysieren. 

Sie war Licht und Luft und Nichts, und doch so wirklich wie das Blätterrauschen in der Nacht.
Seite 31, „Purpurnacht“

„Sie haben, was sie brauchen, ich gab ihnen ein Herz! Was könnte sie besser führen? Sie müssen nur lernen, darauf zu hören!“
Seite 92, „Der Puppenspieler“

Deine Berührung brennt wie Feuer auf meiner Haut. Ich bin gefangen zwischen dem Wunsch, mich dieser Phantasie hinzugeben und dir nah zu sein, und dem Wissen, dass ein Nachgeben mich nur schneller in den Traum hinabziehen wird. Ich will nicht schlafen.
Seite 168, „Das Fehlen des Flüsterns im Wind“

Nebulöse, surreale Kurzgeschichten, geschrieben von einer Autorin, die wunderbar mit Worten malen kann.- Was will man mehr?

7/7
Mariam Schäfer wurde 2014 für "Claire" (auch in "Das Fehlen des Flüsterns im Wind" enthalten) mit dem Deutschen Phantastik Preis für die "Beste deutschsprachige Kurzgeschichte" ausgezeichnet.
(Diese Geschichte war auch einer meiner Lieblinge...:3)

ISBN: 9783862825639

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.