Dienstag, 1. Dezember 2015

{Bookdemon stellt vor} Janine Prediger ~ Der Dämon von Naruel | Teil 1

Und hier schon meine zweite Autoren-/ Buchvostellung auf Bookdemon. Diesmal zu einem Buch, das ich schon vor einem Monat gelesen habe. Allerdings hat es mir derart gut gefallen, dass ich euch sowohl die sympathische Autorin als auch die Welt, die sie geschaffen hat,  noch einmal extra vorstellen möchte. Lange Rede kurzer Sinn. Um dieses Buch geht es:


Verzweiflung treibt Pan dazu, ihre Seele an einen Dämon zu verkaufen. Doch das Ausmaß dieser Entscheidung übersteigt die Vorstellungskraft der jungen Kriegerin.  Ihr silberner Hoffnungsschimmer in der Nacht wandelt sich plötzlich in einen blutroten Albtraum. Die nächste Mondfinsternis droht ein uraltes Übel aus einem tausendjährigen Schlaf zu wecken. 
Pan wird es zur Bestimmung gemacht, dies unter Einsatz ihres Lebens zu verhindern. Sie muss die wiedergeborenen Götterseelen der Vergangenheit finden und zusammenführen, um die Länder Naruels vor der ewigen Finsternis retten zu können. 
Aber kann diese heilige Aufgabe gelingen, wo doch ihre eigene Seele mehr und mehr von einem Dämon vergiftet wird?





Ursprünglich eine Kurzgeschichte
Von der Idee bis zum fertigen Taschenbuch sind mehr als 10 Jahre vergangen.
Durch meine Tante habe ich damals meine Leidenschaft zum Lesen entdeckt, aber irgendwie störte mich immer etwas an den Büchern. Ich habe mich dann einfach selbst daran versucht, Geschichten zu schreiben, mit der Intention, eine zu erschaffen, die mir persönlich einfach gut gefällt. Spannend sollte sie sein, unverschönt, fantastisch, am besten noch mit einer Protagonistin in einem ähnlichen Alter. Und damit legte ich den Grundstein für „Der Dämon von Naruel“ (damals noch unter einem anderen bzw. gar keinem Titel). 
Damals sollte das Ganze nur eine (Kurz-) Geschichte werden, die mit Pans Sprung von Alistos‘ Balkon offen endet. Ihre Gegenspieler waren damals noch keine Amphimen, sondern gewöhnliche, menschliche Halunken.  Der jetzige Prolog und die Geschichte um die Halbgötter und den Dämon Cragorin existierten noch nicht, ebenso wenig eine Erklärung, warum die Verfluchten Früchte so verflucht sind. Ich dachte dabei an die Verbotene Frucht aus der Bibel, aber dann hörte es mit den Erklärungen auch schon auf.

Die Idee wächst
Als ich die letzten Seiten bis zum ursprünglichen Ende geschrieben hatte, war ich natürlich unglaublich stolz, doch die Geschichte hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Ich wollte Erklärungen, mehr von der Welt Naruel sehen und die Geschichte um Pans Abenteuer nicht abreißen lassen. 
Also habe ich begonnen, mir diese Fragen selbst zu beantworten:
Warum existieren Verfluchte Früchte?
→ Weil ein böser Dämon sie verunreinigt hat!
Nach und nach hat sich die Rahmenhandlung um diesen Dämon aufgebaut. Ziel sollte es sein, eben jenen an seiner Rückkehr zu hindern und damit Tod und Unglück zu entgehen.
Aber warum kehrt der Dämon überhaupt von irgendwo zurück?
→ Weil zwei Halbgötter ihn vor langer Zeit verbannt hatten!
So setzte sich die Geschichte Stück für Stück zu etwas viel Größerem zusammen. Dessen Ende war mir relativ früh klar, doch bis dahin sollte es ein weiter Weg für meine Protagonistin Pan sein, denn sie müsste dafür eine Wandlung durchlaufen, Verbündete, und vor allem sich selbst finden.
Da Pan so viele Jahre nur eingesperrt war, kannte sie die Wunder Naruels ebenso wenig wie ich und so haben wir den Kontinent gewissermaßen zusammen erkundet.

Schreibprozess - Gärtner und Kontrollfreak
Wie bereits erwähnt, standen gewisse Punkte der Geschichte schon früh fest. Wie es zu diesen Ereignissen kommen sollte, ist mir allerdings meistens erst während des Schreibens eingefallen. Gewissermaßen haben die Charaktere ein Eigenleben entwickelt, wodurch sich durch deren Entscheidungen ein eigenständiger Handlungsstrang ergeben hat und zu unterschiedlichen Ereignissen hingeführt hat.
Noch heute gehe ich nach diesem Muster vor: Einfach mal die Saat auswerfen und schauen, was blüht. Ich konnte mir schon damals nicht vorstellen, die ganze Handlung der Geschichte im Groben aufzuschreiben und dann wie eine Liste abzuarbeiten. Ich lasse die Figuren lieber laufen und entscheide bei der Überarbeitung dann, wie sehr ich einen bestimmten Teil ausschmücken möchte.
Dabei achte ich natürlich darauf, ob bestimmte Szenen die Geschichte weiterbringen. Generell ist es mir wichtig, dass Szenen ihren Zweck erfüllen, die Geschichte oder Charakterentwicklung vorantreiben, bestimmte Gefühle in den Vordergrund stellen, Spannung aufbauen oder Personen oder Orte beschreiben. Ich versuche dabei zwischen Szenen, welche die Geschichte voranbringen und Szenen, die dem Leser kurze Atempausen oder Erkenntnisse verschaffen, ein gesundes Gleichgewicht zu finden.
Gelegentlich schreibe ich auch über zunächst unwichtig wirkende Kleinigkeiten, die im späteren Verlauf an Bedeutung gewinnen. Ich liebe es, kleine Hinweise auf den Seiten zu verteilen, die vielleicht etwas Großes ankündigen, vielleicht aber auch nicht… (Es wird sich zum Beispiel kaum jemand daran erinnern, dass um Umbriels Schwertheft drei rote Bänder gewickelt waren. Aber könnte diese Information für die Geschichte von Wichtigkeit sein? Ja, dabei habe ich mir etwas gedacht, ich verrate allerdings nicht was… noch nicht.)

Bei gewissen Dingen bin ich allerdings auch ein Planungsfreak. Da zum Beispiel der Mondkalender in „Der Dämon von Naruel“ für die Handlung eine sehr wichtige Rolle spielt, habe ich mir dazu eine Tabelle angefertigt, um die Ereignisse auf die passende Mondphase abstimmen zu können und nicht den Überblick zu verlieren. Es sollte schließlich nicht an einem Tag eine schmale Mondsichel am Himmel zu sehen sein und zwei Tage später bereits Vollmond herrschen. Mit diesen Aufzeichnungen kann ich auch logischen Lücken wie Herbstlaub im Frühling
vorbeugen. Selbiger Kontrolldrang gilt für Karten. Ich musste die Entfernungen zwischen Orten kennen, um authentisch beschreiben zu können, wie lange eine Wanderung von A nach B dauert. Ich kann es nicht ausstehen, wenn in Geschichten der Ritt von einer Stadt zur nächsten mal drei Stunden, mal vier Tage dauert. Fantasy schön und gut, aber Logik ist mir wichtig!
Aus diesem Grund habe ich mir Karten angelegt, mit denen ich halbwegs maßstabsgetreu Entfernungen in Naruel berechnen und angeben kann.


Warum das Buch ist, wie es ist
Das Schreiben und Feilen an der Geschichte wurde zu meinem größten Hobby. Selbst in der Schule habe ich an Skizzen zu Figuren oder Orten gearbeitet, meistens auf die Rückseite von Arbeitsblättern.


„Irgendwann“, dachte ich mir, „irgendwann hast du ein Buch zusammen, das dich wirklich begeistert, so wie du es dir wünschst.“ 

Mich hat es nämlich schon immer genervt, wenn die eigentliche Geschichte eines Buches
irgendwann von einer überflüssigen Lovestory verdrängt wurde, deswegen steht so etwas bei „Der Dämon von Naruel“ absolut im Hintergrund. Gerne kann irgendwer in irgendwen verliebt sein, aber die Hauptbühne ist dafür nicht vorgesehen.
Ebenso stört es mich, wenn es in Geschichten zugeht wie auf einem Ponyhof. So ist das Leben nun mal nicht. Es klappt nicht immer alles auf Anhieb, manchmal muss man erst etwas in die falsche Richtung laufen, um den rechten Weg zu finden. Der rote Faden in meiner Geschichte darf sich gern auch mal nach rechts oder links schlängeln, denn eine Geschichte, die absolut geradlinig verläuft und nur Dinge beschreibt, die zum Endziel führen, finde ich persönlich langweilig und starr. Natürlich sollte man nicht zu sehr abschweifen, aber ich
denke, da habe ich eine gute Mischung gefunden.
Der Erzählstil ist bei mir wohl auch eine kleine Besonderheit. Ich habe zu Beginn der Geschichte nicht nachgeschlagen, was welchen Erzähler ausmacht und was er von den Figuren und der Geschichte wissen darf, sondern einen eigenen Stil gefunden, der es mir als Erzähler möglich macht, stellenweise mit den Figuren zu verschmelzen und dadurch deren Gefühlswelten subtiler an den Leser zu bringen. Ich halte eben nicht viel von strikten Grenzen und Lehrbüchern, die mir erklären, wie ich eine perfekte Geschichte zu erzählen habe. Für manch einen wirkt es vielleicht so, als hätte ich meinen Erzählstil noch nicht gefunden, aber im Gegenteil:

Genau das ist mein Stil. 

Ich liebe den Wechsel, das Unbeständige, das Unerwartete. Gleiches gilt für den Schreibstil. Ich wechsle gern zwischen ausschweifend-romantischen Abendrotbeschreibungen und knackig kurzen Sätzen in Kampfszenen, je nachdem wie ich das Tempo der Geschichte beeinflussen möchte und was gerade im Vordergrund stehen soll. 
Viele Leser haben mich gefragt: Warum muss deine Protagonistin Pan so viel Leid ertragen?
Die Antwort ist simpel: Um sie stärker zu machen. Sie braucht Herausforderungen, um daran zu wachsen. Außerdem will ich die Handlung authentisch darstellen. Jemand, der wochenlang durch die Wildnis zieht, der darf sich gerne mal einen Parasiten einfangen oder die Hand verletzen. Alles andere wäre für mich eben erwähnter Ponyhof. Das Leben ist nun mal nicht, wie man es sich wünscht, und dazu gehören auch Enttäuschungen, wie zum Beispiel ein leeres Grab. (Leser-Insider)
Ich will erreichen, dass sich die Leser in die Charaktere und die Welt einfühlen können und damit sich Gut und Schlecht dabei die Waage halten können, beschreibe ich eitrige Wunden genauso deutlich wie glitzernde Tautropfen auf Blättern. 

Ich gebe zu, es gibt viele blutige Stellen in der Geschichte, aber es ist ja schließlich auch kein Kinderbuch.

Unterstützung durch Andere
Zurück zum Entstehungsprozess:
Nach vier Jahren schrieb ich das Ende des Buches, damals war ich achtzehn und absolut überzeugt von meiner geschaffenen Welt. Ich habe mich bei zahlreichen Verlagen beworben, aber niemand hatte Interesse und so erschien der Traum vom eigenen gedruckten Buch noch weit entfernt.
Glücklicherweise erzählte mir ein Brieffreund von einer Internetseite, die ein Buch für den privaten Gebrauch drucken können. Natürlich habe ich diese Möglichkeit wahrgenommen. Es war ein überwältigendes Gefühl das eigene Buch in der Hand zu halten, auch wenn ich die Schriftgröße so klein einstellen musste, dass man kaum etwas lesen konnte. (Der Ausdruck war auf 800 Seiten beschränkt.) Dieses gedruckte Buch ging auch an besagten Freund, der mein erster (richtiger) Leser und Fan der Geschichte wurde. Bis dahin war ich sehr zurückhaltend mit meinem Geschreibsel gewesen und hatte höchstens Mal ein paar Schnipsel des Textes für eine Rückmeldung an zwei Schulfreunde gegeben. Vielleicht, weil ich damals schon wusste, dass der Text noch etwas Politur vertragen konnte, vielleicht auch, weil es niemanden so richtig interessiert hat und Rückmeldungen nur in Form von einem höflichen „Gefällt mir ganz gut!“ zurückkamen.
Konstruktive Kritik oder ehrliches Interesse an der Geschichte gab es leider viel zu wenig.
Meine Eltern haben beim Schreibprozess sogar eine eher kontraproduktive Rolle gespielt: Ich glaube, sie haben das stundenlange Schreiben am Computer und Skizzieren von Fantasywesen als Zeitverschwendung und Unsinn abgetan. 
Ich erinnere mich noch, dass meine Mutter immer nach einer Stunde den Router ausgestellt hat, weil ich ihr zu viel „im Internet gespielt“ habe. Dass ich nicht irgendetwas „gespielt“, sondern Recherchearbeit für mein Buch betrieben habe, wollte niemand hören und so musste ich Dinge wie das Nachschlagen nautischer Begriffe oder Waffenkunde oft auf den nächsten Tag verschieben. Es gab ein paar nette Seelen, die mir und meiner Geschichte aufmunternd zugelächelt haben, aber eine Hilfe war das nicht wirklich. 

Nein, im Großen und Ganzen stand ich mit meinem Buch immer allein. 


Der Weg zur Veröffentlichung
Es folgten ein paar sehr stressige Jahre: erste eigene Wohnung, Abitur, Umzug, Lebenskrisen,…
Weitere vier Jahre später habe ich die Textdatei von „Der Dämon von Naruel“ wieder hervorgeholt und noch gefühlte zehn Mal überarbeitet. Hier ein paar Szenen abgeändert, dort etwas gestrichen, geschliffen, poliert, etwas hinzugefügt, feinere Formulierungen, treffendere Beschreibungen, ... Ich konnte viele Gefühle durch gemachte Erfahrungen besser ausdrücken und habe immer wieder an der Geschichte gefeilt.
Die Versäumnisse im gedichtelastigen und von mir nur mit Widerwillen besuchten Deutschunterricht der Oberstufe rächten sich natürlich jetzt, da mir gewaltig viele Schreibfehler bei der Korrektur des Buches auffielen, die ich in mühevoller Kleinarbeit verbessert habe. Dazu sollte ich anmerken, dass man als Autor eigene Texte meistens so „betriebsblind“ liest, dass man offensichtliche Fehler nicht bemerkt, da man ja „weiß“, was da eigentlich stehen sollte und es richtig liest, auch wenn es falsch abgetippt wurde.

Mehr als ein Jahr lang habe ich fast täglich an der Geschichte gefeilt und verbessert.

Inzwischen waren Selfpublischer-Plattformen publik geworden und ich hatte die Möglichkeit, das Buch als EBook zu veröffentlichen, ganz ohne Verlag. In erster Linie ging es mir dabei um Rückmeldungen. Da die Verlage ständig abgesagt hatten, wollte ich wissen, was denn nicht mit der Geschichte stimmt. Doch vielen Lesern gefiel der Anfang (mehr habe ich zunächst nicht preisgegeben, aus Angst vor Gedanken-Diebstahl) sehr gut.
Die Nachfrage an der kostenlosen Leseprobe war groß und so beschloss ich, die Geschichte in vier Teile zu spalten, um mich langsam mit der Veröffentlichung voranzutasten. (Wer kauft schon einen 325.000 Worte Wälzer von einem absolut unbekannten „Autor“?) Eine Paranoia vor Internet-Piraten hat auch dazu beigetragen, dass ich nicht gleich alles Pulver verschießen wollte, außerdem war die Geschichte inzwischen einfach viel zu groß geworden, um in ein Buch zu passen.
Ich habe zunächst überlegt, den ersten Teil als Gratis-E-Book anzubieten, doch dafür hatte ich einfach zu viel Arbeit, Zeit und Herzblut, in „Der Dämon von Naruel“ investiert. Dazu zählte nicht nur die Geschichte allein: Ein halbwegs ansehbares Cover musste her, eine eigene Schriftart für den Titel generiert, ein Klappentext geschrieben werden, etc.
Nachdem ich auch diese Hürden genommen hatte, stieß ich auf einen Anbieter, der gegen eine verschmerzbare Gebühr auch eine Taschenbuchausgabe an die Leserschaft bringt. Sofort habe ich dieses Angebot genutzt, schließlich war die Veröffentlichung als E-Book eher eine Notlösung, da einfach die Verlagsunterstützung zur „richtigen“ Publikation fehlte.
Und nun, nach zehn Jahren, stehe ich hier mit einem Buch, das ich ursprünglich nur für mich selbst geschrieben habe, und freue mich, was aus meiner Kurzgeschichte von damals geworden ist.

Vielen Dank hier noch einmal an Janine, die sich die Mühe gemacht hat, mir Texte und Bilder zu schicken, Fragen zu beantworten und mir alles zur Verfügung zu stellen!:)
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Das Copyright aller Bilder liegt bei Janine Prediger!
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zum 2. Teil der Vorstellung
(Link wird am 6. Dezember freigeschaltet.)




















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